Israelitischer Jugendfreund
- Journal
- Israelitischer Jugendfreund
- Volume
- 4 (1898)
- Issue
- 5 (1898)
- Date
- 1898-01-01
- Page
- Seite 66 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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66 hatte kein Glück im Leben; was ich anfing, wurde anders, als ich wünschte und erwartete!" Glück, d. h. Erfolg in allem, was man erstrebt und unternimmt, bleibt in der That manchem Menschen versagt; so dem Jüngling, der für iminer verhindert ist, die Laufbahn einZuschlagen oder die Art der Beschäftigung Zu wählen, die seinen Steigungen am ehesten entsprochen hätte; so dem Manne, dessen Unternehmungen an allerlei Widerwärtigkeiten kranken; so dem Greise, der für seinen müden Körper keinen sicheren Lebenshafen gefunden hat. welches aber mögen die LIrsachen fortwährender Mißerfolge sein? (Es ist Unrecht, darüber Klage Zu führen, daß man in seinen Handlungen unglücklich sei, daß inan „Pech" habe. Man verfolge statt dessen die Spuren seiner bisherigen Thätigkeit und sei bemüht, die wahren Ursachen und Anlässe des beständigen Mißgeschickes aufZufinden. Nach solcher gewissenhaften Prüfung, die einer Selbstprüfnng gleichkommt. kann die (Erkenntnis nicht ausbleiben, daß irgend welche Fehlgriffe und Verkehrtheiten Zn den unerwarteten Wirkungen geführt haben. Diese Erkenntnis Zerstört ein für alle Mal den verführerischen Gedanken, daß das Leben ein Lotteriespiel mit Gewinn und Nieten, daß der Erfolg einer rechten Lebensführung dein blinden Zufall anheimgegeben sei; und das gereicht dem Einzelnen wie der Gesamtheit zum Segen, denn jene Wahnvorstellung ist verderblich, indem sie zu mattherzigen Entschlüssen und schlaffem Thun führt oder Enttäuschung und Verzweiflung im Gefolge hat. was wir gewöhnlich „Glück" nennen, ist hauptsächlich das Zusammentreffen günstiger Umstände, die unsere Handlungen begleiten. Die sich darbietetiden günstigen Gelegenheiten Zweckmäßig benutzen, planvoll seinem Ziele entgegenstreben, die Mittel zur Erreichung des Zieles so auswählen, daß sie nicht nur lauter und ehrlich, sondern auch gut und weise sind, — das alles bildet die Grundlage für das „Glück." Klugheit und Umsicht, ohne die keine Lebensthätigkeit den rechten Erfolg haben kann, sind auch da erforderlich, wo es gilt, das einmal- Ergriffene festzuhalten. wir hören häufig sagen- „Seht einmal diesen Mann; der ist weder sehr klug noch begabt, und doch was hat er sich für eine günstige Stellung im Leben erworben, und wie ihm alles gelingt!" Und warum ist dieser Mann so schnell zu vermögen und Ansehen gelangt? warum? Erschuf sich einen seinen Fähigkeiten niöglichft entsprechenden Wirkungskreis und sicherte ihn sich auf alle Zeit. „Mit treuein Fleiß hat er den Kreis ausgefüllt, öen Gott ihm Zugemessen." So war ihm das Glück hold und das schnelle wachstmn seines Besitzstandes redlich verdient. Leider läßt sich dies nicht von sehr vielen Berufsmenschen behaupten; denn in weit stärkerer Zahl sind die „Unglücklichen" vertreten, zu denen viele mH Bildung und klarem verstand gehören. sshr Streben und Mühen ist vergeblich, weil sie teils den günstigen Augenblick verpassen oder ihn nicht festzuhalten suchen, teils das Fernliegende und Unsichere den: Naheliegenden und Sicheren vorziehen.