Israelitischer Jugendfreund
- Journal
- Israelitischer Jugendfreund
- Volume
- 4 (1898)
- Issue
- 4 (1898)
- Date
- 1898-01-01
- Page
- Seite 56 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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45 Jahre waren es her, dass er zum ersten Male den Boden Palästinas betreten. Hier hatte während dieses Zeitraumes gar manches eine Wendung zum Besseren genommen. DieSpuren seinesStrebens undWirkens Hessen sich deutlich erkennen. Trotz seines hohen Alters besuchte M. den grössten Teil der Jsraelitischen Wohlthätigkeitsanstalten selbst und machte an Ort und Stelle etwaige Verbesserungs-Vorschläge. In den Armenhäusern wurde von den dort untergebrachten Personen tüchtig gearbeitet, ebenso in den Schulen. In den letzteren Hess er Prüfungen anstellen, die zur Zufriedenheit ausfielen. liier und da fand er schon den Anfang von kleinen gewerblichen Unternehmungen: Am meisten jedoch erfüllte es ihn mit Freude, dass ein nicht unbeträchtlicher Teil der palästinensischen Judenbeit mit Eifer und Geschick Landwirtschaft und Bodenbau betrieb und sich dadurch redlich ernährte. Die Saat, die M. in dieser Beziehung ausgestreut, ist trefflich aufgegangen. Andere opferwillige europäische Glaubensgenossen haben in demselben Sinn und Geist das Werk fortgeführt; und so giebt es denn heute im „heiligen Lande“ an 20 Dörfer, deren Einwohner fast ausschliesslich jüdische Landleute sind. Die Gewerbe-Ausstellung in Berlin des Jahres 1896 enthielt unter anderen Sehenswürdigkeiten auch eine kleine Palästina-Ausstellung, auf welcher verschiedene Erzeugnisse des Ackerbaues jener israelitischen Kolonisten besichtigt werden konnten. — Wenn schon immer' auf palästinensischem Boden, so war ganz besonders diesmal M. der Gegenstand zahlreicher Ehrenbezeugungen und Liebesbeweise von Seiten der jüdischen Bevölkerung, die ihm so viel zu verdanken hatte. Von meilenweit kamen sie, um ihn zu begrüssen und den Saum seines Mantels zu küssen. Reden wurden gehalten, Loblieder auf ihn gedichtet; in manchen Orten holte man ihn feierlich ein. Auch in der Heimat hatte es ihm nicht an Anerkennung und Würden gefehlt. Seine Mitbürger übertrugen ihm hohe und wichtige Ehrenämter. Die höchste Auszeichnung jedoch verlieh ihm die Königin Viktoria, die Grossmutter unseres erhabenen Kaisers. Sie ernannte ihn zum Baron. Als Solcher durfte er auch ein Wappen führen. Dasselbe enthält u. a. im Hinblick auf seinen Namen einige Blumenhügel, zwischen denen sich Cedernbäume befinden. Der obere Teil des Wappens trägt ein Fähnchen mit der Aufschrift „Jerusalem,“ während unten sein Wahlspruch „Denke und Danke!“ zu lesen ist. Dieser Ausspruch kennzeichnet kurz und klar das Sinnen und Trachten unseres Menschenfreundes. Alle Zeit seines Lebens ging sein Streben dahin, über Mittel und Wege zur Verbesserung der Lage seiner