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Israelitischer Jugendfreund · 1898-01-01 · 4 (1898) · p. Seite 55

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Journal
Israelitischer Jugendfreund
Volume
4 (1898)
Issue
4 (1898)
Date
1898-01-01
Page
Seite 55 (sequence 9)
Language
German
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sitze. Ein Spanier war ermordet worden; und auch hier wurden die Juden ohne jede Untersuchung als die Schuldigen betrachtet. Darauf Hess die spanische Behörde mehrere verhaften und einen sogar hinrichten. Sobald M. von diesen betrübenden Vorfällen unterrichtet worden war, machte er sich unverzüglich auf den Weg nach Marokko. Diesmal konnte ihm die hochherzige Gattin nicht mehr Reise- und Leidensgefährtin sein; denn sie war bereits gestorben. M. begab sich zunächst nach Madrid, der Hauptstadt Spaniens. Hier wurde er vom König in Audienz empfangen, der ihn seines Wohlwollens versicherte. Von Gibraltar aus — der Befehlshaber dieser englischen Felsenfestung war ihm von früher her freundlich gesinnt — brachte ihn ein englisches Kriegsschiff an die marokkanische Küste. Es gelang ihm bald, die spanische Behörde zur Freilassung der verhafteten Israeliten zu bewegen. Doch wollte er auch beim Sultan selbst sich um eine mildere Behandlung der jüdischen Unterthanen verwenden. Dazu bedurfte es noch einer Fahrt nach der Hauptstadt, die gleichfalls Marokko heisst. Begleitet von Offizieren jenes Kriegsschiffes sowie von einigen anderen Herren, brach er ins Innere auf. Die Reise war sehr anstrengend besonders für M., einen Mann von nahezu 80 Jahren; denn man musste in Sonnenglut durch wüste, unwegsame Gegenden. Während seine Reisegefährten den Weg zu Pferde zurücklegten, liess sich M. infolge seines Alters in einer Sänfte befördern. Nach acht Tagen langten sie in der Hauptstadt an. An einem der folgenden Tage empfing der Sultan unseren M. und seine Begleitung in höchst ehrenvoller Weise. Mehrere Abteilungen Soldaten waren aufgestellt und bewiesen den ausländischen Gästen militärische Ehrenbezeugungen. Der Herrschei selbst erschien auf einem prächtigen weissen Ross, was in diesem Staate bei Empfängen stets als gutes Zeichen gilt. M. überreichte dem Herrn des Landes ein Schriftstück, in welchem verschiedene Wünsche zum Wohl der marokkanischen Juden ausgedrückt waren. Er erhielt die schriftliche Zusage seitens des Fürsten, die Israeliten den übrigen Bewohnern seines Reiches in Gesetz und Recht völlig gleichzustellen. Als besonderes Zeichen der Gnade zeigte der muhamedanische Gebieter dem Sohne und Vertreter Israels seine herrlichen Gärten. So konnte M., völlig befriedigt von seinem Erfolge, nach England zurückkehren. Seine überhaupt letzte Reise fand 1873 statt. Sie galt dem Lande, welches er zuerst und am meisten aufgesucht. Obwohl ein 90 jähriger Greis, waren seine Augen nicht getrübt und seine Kräfte nicht geschwunden, 1

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