Israelitischer Jugendfreund
- Journal
- Israelitischer Jugendfreund
- Volume
- 4 (1898)
- Issue
- 4 (1898)
- Date
- 1898-01-01
- Page
- Seite 51 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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tV9j#£$sdhB,. — 51 — Die kleine neunjährige Mania mußte nun den Haushalt besorgen, die vier jüngeren Geschwister warten und die Mutter pflegen. Der Vater nannte sie immer seine kleine, fleißige Biene, und die Mutter sagte oft, was wohl aus den Rleinen werden würde, wenn die liebe Mania nicht so geschickt und fleißig wäre. Solche Morte aus ihrer Eltern Munde belohnten das kleine Mädchen reichlich für all' ihre Sorge und Mühe. Gern wollte sie schaffen und arbeiten, aber ihr, dem kleinen, hilflosen Rinde, konnte es nimnrermehr gelingen, die Not von den Ihrigen abzuwenden. Gestern hatte sie gehört, wie der Armenarzt zu ihrem Vater sagte, die Mutter könnte nur gesund werden, wenn sie aus der feuchten, dumpfigen Rellerwohnung hinaus in trockne, Helle Räume käme und gut gepflegt würde! Ach, wie sollten sie wohl Geld zu einer ordentlichen Wohnung beschaffen, hatte doch der Vater vorigen Monat nicht einmal die geringe Summe für die Rellerwohnung zahlen können? Mit diesen traurigen Gedanken beschäftigt, trat Mania den Heimweg aus der Schule an; hinter ihr gingen einige Mädchen aus der benachbarten Töchterschule. Da hörte das Rind eines der Mädchen von einer wunderschönen Fee erzählen, die gute Menschen aus Not und Elend errette. „So viele Rinder sich ihr auch bittend genaht, sie wies keines zurück, sondern stand allen getreulich bei; ein Rind, das feine Eltern aus schwerer Rerkerhast erlösen mußte, begleitete sie durch Feuersglut und eisige Wasserflut und beschützte es vor Gefahr und Tod." Mania horchte auf, das Mädchen fuhr fort: Ach, und ihr hättet die Waldfee sehen müssen, ganz weiß, in den langen goldenen Haaren ein blitzendes Diadem, ich zitterte vor Freude, als sie erschien." Nun hatte Mania genug gehört; mit schnellem Entschlüsse sprang sie auf das erzählende Rind zu und fragte leise: „Du hast eine Fee gesehen, bitte, bitte, sage nrir, wo?" „Im Theater, in der Tharlottenstraße, antwortete das kleine Mädchen, sehr erstaunt über die feltfame Frage. Mania dankte und eilte rasch fort. Der Gedanke an die Waldfee verließ sie keinen Augenblick. Es gab also wirklich solch gute, hilfreiche Wesen, die sich armer Menschen erbarmten; o, wenn doch auch ihr die Fee erschiene so wie jenem kleinen Mädchen! Freilich wunderte sich Mania, daß die Fee in der Stadt im Theater leben solle, sie hatte immer geglaubt, daß Feeen nur im Walde wohnen könnten, und nun gar die Waldfee! Allerdings wußte Mania nicht recht, was sie sich eigentlich unter einein Theater vorstellen sollte, das kleine Mädchen war in größter Einsamkeit aufgewachsen, die armen Juden G.s kannten weder Theater noch sonstige künstlerische oder gesellige Unterhaltungen; daher verstand sie auch nicht, daß das fremde Mädchen seinen Mitschülerinnen den Inhalt des Theaterstückes „Die waldfee" erzählte, sondern glaubte, das Mädchen habe all das wirklich selbst erlebt! Anne kleine Mania, du hoffst so fest auf die Hilfe der Fee, und nun wird der schöne Traum wie eine Seifenblase zerstieben.