Israelitischer Jugendfreund
- Journal
- Israelitischer Jugendfreund
- Volume
- 4 (1898)
- Issue
- 4 (1898)
- Date
- 1898-01-01
- Page
- Seite 50 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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50 — kaman scheint seinem heillosen Ziele nahe. Da tritt öie für ihn so verhängnisvolle Wendung ein. die Zu seinem Untergänge führt, und an den Galgen, den er für Alordechai errichtet hat, wird er selbst gehängt. So findet sein Frevel gerechte Vergeltung. Die Handlungsweise Hamans soll uns Zur Vorsicht vor dem Verleumder mahnen, der unter dem Schein der Wahrheit mit gleihnerischen Reden die Chre und das Glück seines Nächsten untergraben will, bis die Wahrheit den Sieg über die Lüge davonträgt. (I), ich könnte euch der Lehren, die das Buch Esther enthält, noch mehr aufZählen; aber ich wünsche, daß ihr, liebe Kinder, am Purimfeste öie Synagoge besuchet und der Vorlesung aus der Megillah aufmerksam Zuhöret uud selbst über den Inhalt nachdenket, stch wollte euch nur einige Winke dazu geben. vnd nun noch eins! M habt nicht nur ein Recht, euch am purimfest Zu freuen, sondern/die Pflicht. Kennt ihr nicht die Vorschrift der Alagillah: „darum feiern die ^ehudim .... den 14. Gag des Monats Aöar als Tag der Freude und des Pfahles und als Festtag wenn ihr euch der reinen Freude aus volle,n Kerzen/ nach echt jüdischer Art/ hingebet, vergesset anch der Weisung nicht: „Gaben zu schicken einer dem andern und Geschenke an die Dürftigen," auf datz auch diejenigen sich des Festes freuen, denen das Leben sonst wenig Freude bietet. Möge eure Festesfreude durch nichts gestört werden! (k. F. Die Waldfee. Eine Geschichte aus dem Leben, von I. Sontowsky. Der Lehrer hatte die kleine Mama in der letzten Zeit mehrere Male wegen Unaufmerksamkeit getadelt, und heute in der Rechen stunde glaubte er sie streng bestrafen zu müssen. Das kleine Mädchen hatte geschwiegen und sich nicht zu entschuldigen gewagt; sie konnte doch nicht vor allen Rindern erzählen, was ihr kleines Herz bedrückte und ihren Sinn beschäftigte, so daß sie für den Unterricht, dem sie sonst so aufmerksam gefolgt war, jetzt kaum einen Gedanken mehr hatte. — Ihre Mutter lag schon seit vielen Wochen krank, sie war eigentlich noch nie ganz gesund gewesen, seit die ^amilie vor zwei Jahren aus dem fernen Städtchen G. in Russisch-Polen ausgewiesen worden war und im kalten Winter die beschwerliche Reise nach Berlin machen mußte. Mamas Vater, ein braver, fleißiger Mann, konnte in der neuen Heimat keine lohnende Beschäftigung finden, trotzdem er vor keiner noch so anstrengenden Arbeit zurückschreckte; in der großen Stadt gab es so viele tüchtige Arbeiter, die ihr Handwerk gründlich erlernt hatten, daß der arme Scherkoff, der in G. seine Familie anständig, wenn auch sehr bescheiden, ernährt hatte, hier in bittere Not geriet.