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Israelitischer Jugendfreund · 1898-01-01 · 3 (1898) · p. Seite 42

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitischer Jugendfreund
Volume
4 (1898)
Issue
3 (1898)
Date
1898-01-01
Page
Seite 42 (sequence 11)
Language
German
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42 Dieser Annehmer in Trübsal wurde wieder unser Montefiore. Von dem edlen englischen Königshause wurde er mit einem Empfehlungsschreiben an den Czar, d. i. der Kaiser von Russland versehen, welches ihm seine schwere Aufgabe sehr erleichterte. Der Winter des Jahres 1846 war äusserst streng und kalt. Da die Sache aber nicht länger verzögert werden durfte, so machten sich M. und seine Frau trotzdem auf den Weg nach St. Petersburg. Besonders gefahrvoll war die Reise durch Polen. Hungrige “Wölfe drohten die Reisenden anzufallen und sie lebendig zu verschlingen. M. wurde vom russ. Kaiser in Audienz empfangen, und er stellte dem Herrscher vor, welch traurige Folgen jener Auswanderung - Erlass nicht nur für . die Juden, sondern für ganz Polen haben könnte. Die harte Bestimmung wurde dann auch zuerst aufgeschoben und schliesslich dann völlig aufgehoben. Hiermit war diese Quelle einer aller Wahrscheinlichkeit nach finsteren Zukunft glücklich beseitigt. Mit welchen Gefühlen des Dankes und der Verehrung unsere Glaubensgenossen allüberall, besonders aber die armen polnischen, auf den edlen und mutigen Fürsprecher M. blickten, könnt ihr euch denken. — Galten die bisher mitgeteilten Fahrten dem Wohle der gesamten Israeliten in einem Staate, so bezweckte die im Jahre 1858 unternommene Reise, einer einzigen Familie zu ihrem Rechte zu verhelfen. Die Veranlassung dazu war eine höchst seltsame, tief traurige. In Bologna in Italien lebte eine jüdische Familie Namens Mortara. Bei dieser diente eine katholische Magd. Die letztere hatte einen Sohn der genannten Familie an sich genommen und ihn taufen lassen. So war, ohne Wissen und Willen der Eltern, aus dem jüdischen Knaben mit einem Male ein katholischer geworden. Der Getaufte wurde nach Rom gebracht und sollte durch die katholiche Kirche zum Geistlichen herangebildet worden. Die gebeugten Eltern erbaten die Herausgabe ihres eigenen ihnen entrissenen Kindes. That nichts! Der Jude blieb — Katholik, fern von seinen Angehörigen. M. begab sich nun nach Rom. Er hatte hier auch eine Unterredung mit einem der höchsten geistlichen Würdenträger, mit einem Kardinal. Doch alle seine Bemühungen, den betrübten Eltern ihren Sohn wieder zuzuführen, blieben erfolglos. Wie musste dieser Ausgang einer gerechten Sache den M. betrüben. Wie mag es ihn schmerzlich berührt haben, der Mutter ihren Liebling nicht wiedergeben zu können. Dass er trotzdem eingedenk des Bibelwortes: Du sollst dich nicht rächen und nicht nachtragen — keinen Groll und Hass gegen Andersglaubende hegte, das zeigt eine That aus dem Jahre 1860.

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