Israelitischer Jugendfreund
- Journal
- Israelitischer Jugendfreund
- Volume
- 4 (1898)
- Issue
- 3 (1898)
- Date
- 1898-01-01
- Page
- Seite 40 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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40 ich aus, und eine Thräne floß heiß über die Wangen hin, und mit dieser Thräne wurde das erste Täfelchen des Londoner Riesenspiegels eingeweiht!" „Und wo hast Du ihn?" „Gerne, o wie gerne hätte ich ihn nach Hause gebracht, und noch jetzt schmerzt es mich, daß ich ihn nicht für Tuch habe behalten können, aber mein Spiegel ..." „Ich verstehe schon, mein Rind, es war Dir unmöglich, uns solch ein kostspieliges Gpfer zu bringen, das uns in unserer dürftigen Lage gar nicht zukommen möchte," sagte die Mutter. „was dürftig? hier sind die zurückgeworfenen goldenen Strahlen meines Spiegels, vor dem übrigens die Mutter eines Landes, die Königin von England, ihr Diadem aufsetzt, bevor sie in das Parlament fährt." hierauf legte Adolf seinen bedeutenden Goldvorrat und den vollen Ertrag seines für die Aönigin von England angekauften Spiegels auf den Tisch nieder. Und nun flammte und loderte festlich hoch die Lampe wieder, und der Tisch bedeckte sich wie auf ein Zauberwort. Es war eine wahrhafte purimnacht! Erquickungen aller Art u.ngaben den mit Blumenkränzen geschmückt n alten Toilettenspiegel; auf Adolfs Brust strahlte das große goldene Ehrenzeichen, an seiner Seite befanden sich Felleisen, wanderbuch und -Stab. Bis über die Peßach-Feier verweilte Adolf wieder im Vaterhause. Anr „Thol-hamoed" langten endlich auch die von der Heimkehr Adolfs benachrichteten Schwestern samt ihren Männern daselbst an, wo auch der Lehrmeister nicht fehlte, wer vermag nun die Fröhlichkeit jenes Tages zu schildern, jenes sechsten Iahrtages der Freisprechung Dolsis? Innige Trinksprüche, herzliche wünsche, Hoffnungen und Liebkosungen waren die Würze der Tafel. Nach Ausgang des Festes wurde ein kurzer Familienrat abgehalten und die Übersiedelung der glücklichen Eltern und Dolsis nach der größeres! provinzialftadt beschlossen. - So lebt unser Tischlermeister in bescheidener Zurückgezogenheit als eifriger Anhänger des Väterglaubens und der Kunst; betend und arbeitend stets für die fromme Mutter, die ihn beten, für den treuen Vater, der ihn arbeiten gelehrt. Mo3es Montefiore. Von L. Abraham-Königshütte. (Fortsetzung.) Von allen Staaten Europas weist das Kaiserreich Russland die weisen Israeliten auf; und in diesem sind sie wieder am zahlreichsten in dem Teil, welcher Polen heisst. Man kennt sie ja, die polnischen Juden, die von Bpsgesinnten so oft wegen ihrer langen Röcke, ihrer ei-