Israelitischer Jugendfreund
- Journal
- Israelitischer Jugendfreund
- Volume
- 4 (1898)
- Issue
- 3 (1898)
- Date
- 1898-01-01
- Page
- Seite 39 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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39 Line schlanke stattliche Maske in schwarzen: Beinkleids und Knacker mit einer goldenen Medaille auf der Brust trat höflich grüßend ein. Als hätte sie die Thüre verfehlt, stand diese Maske lange sprachlos da — bis endlich der schlichte Naftali halb erschrocken, halb überrascht den Fremden fragte, wer er sei. „Mit wem habe ich das Vergnügen?" erwiderte die Maske. „Mit einen: armen Rleinhändler." „haben Sie Rinder?" „Linen Sohn in Amerika und zwei Töchter in Ungarn." „wie gehts diesen?" „Den Töchtern gut; von: Sohne haben wir lange nichts vernommen." „wenn die Rinder nichts schreiben, geht es gewöhnlich gut," erwiderte die Maske. „Gott geb' es," ineinte Naftali. „Naftali! das ist Dolfi!" schrie Mutter Mirjan: auf eininal laut aus. „heißen Sie nicht Adolf?" Und die unbekannte Gestalt riß die Maske ab, und — Mutter und Sohn lagen weinend und schluchzend Herz a,: Herz! Line Frage drängte die andere, und es wurde nichts gefragt, nichts geantwortet, nnr geweint und gelacht . . . „Dolfi, mein süßes, teures Rind," rief endlich die weinende Mutter, wie kominst du doch auf einmal her?" — „Segne mich, umarme dein Rind," erwiderte der gefühlvolle Sohn. „Aber rede, rede doch, was trägst Du für eure Münze hier auf der Brust? Bist Du etwa Soldat gewesen?" „Tischler bin ich und werde es bleiben; ja meinen Sarg will ich nnr hobeln." — „Schweig', mein Rind, vom Sarge in der jDurimnacht ..." * „Tischler bin ich also, habe in Amerika gearbeitet, habe gesonnen und begonnen, habe Gott um Beistand angefleht und durch Fleiß und Runst dies Ehrenzeichen erworben." „Aber von wem erhielst Du es?" „Von wem? Von der Industrieausstellungs-Rommiffion zu London." „hast Du vielleicht auch da etwas hingeliefert?" Jetzt zog Adolf die „Londoner Zeitung" aus der Tasche, wo das von ihm verfertigte Runststück abgezeichnet war. „Das ist ja ganz der Toilettenspiegel wieder," meinte die Mutter. „wie gesagt," versetzte Adolf, „ich habe lange gesonnen und gedacht, bis mich endlich eine schmerzliche Sehnsucht, ei,: tiefes Heimweh ergriff zum lieben Llternhause. Da fuhr Luer nasser Blick mir auf einmal durch die bange Brust; ich erinnerte mich, wie Ihr dort vor meinen: Spiegel gestanden, als ich freigesprochen wurde. Gott, ich bin so verlassen, stehe Du mir bei! rief