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Israelitischer Jugendfreund · 1898-01-01 · 3 (1898) · p. Seite 38

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitischer Jugendfreund
Volume
4 (1898)
Issue
3 (1898)
Date
1898-01-01
Page
Seite 38 (sequence 7)
Language
German
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38 „Er that auch sehr klug daran, daß er dich nicht gefragt; er war beinahe gescheiter als ich, -er ich erst Deine Meinung einholen zu müssen glaubte, ob er ein Handwerk lernen sollte oder nicht. Erinnerst Du Dich dessen noch?" erwiderte der Vater. „Du hast Recht, Naftali; er wollte uns überraschen, Zch wäre gar zu unruhig und besorgt um ihn gewesen. Jetzt bin ich es wegen der Rückreise; wenn er nur gesund und wohlbehalten bei uns wäre!" „Sorg' nicht, Mirjam," unterbrach sie der heitere Naftali, „Du wirst schon sehen, daß er uns einmal freudig überraschen wird." „Gott g»bs!" seufzte die Mutter. „Amen!" lispelte der Vater tief gerührt. Jetzt folgten die Briefe — natürlich weil sie mehr Zeit und Geld erforderten — etwas spärlicher. Zn einem Schreiben jedoch bat der brave Sohn um gütige Nachsicht, wenn seine Zuschrift jetzt noch seltener werden, weil er gegenwärtig mit Ausführung einer mühseligen Arbeit zu sehr beschäftigt wäre. Und dieser Brief war der letzte. Seitdenr fühlten sich die Eltern immer trostloser und verlassener. Auch der Rleinhandel wurde ihnen täglich lästiger. Rein Münder nun, daß der bereits 65jährige Naftali bald so sehr herabkam, daß er kaum frische Einkäufe zu machen im Stande war. * * * Zn der jDurimnacht s85 .. saßen die Eltern Adolfs in ihrer kleinen armseligen Stube, wo an der achtzinkigen Lampe nur noch 5 Flämmchen einen matten Schein verbreiteten. „Sieh doch, Mirjam," rief Naftali in einem bitteren Schmerzenstone, ,',sieh doch, ob uns irgend jemand besuchen möchte! Vor einigen Zähren war ich noch ein angesehenes Mitglied der Gemeinde; Masken, Musik und viele vornehnre Gäste stellten sich bei uns ein; und seitdem wir herabgekommen, will niemand, niemand mehr unsere Schwelle betreten, es sei denn ein Armer, der um Alrnosen bittet." „Märe doch wenigstens eines unserer Rinder heute da, das wäre mir wahrlich lieber als alle die Festlichkeiten und Masken und Bälle der Vornehmen. Mer weiß aber, wie es unseren Rindern geht, was sie heute 'machen, ob sie unser gedenken?" seufzte die Mutter, und ein tiefes Schweigen folgte ihren tiefempfundenen Morten. Znrmer dunkler und unheimlicher ward die Stube — da klopfte jemand leise an. „Offne die Thüre, Mirjam, uud laß den Armen herein, auf daß ich mit ihm mein Leid teile; de,in nur er versteht es," sprach grambewegt der lte Naftali.

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