Israelitischer Jugendfreund
- Journal
- Israelitischer Jugendfreund
- Volume
- 4 (1898)
- Issue
- 3 (1898)
- Date
- 1898-01-01
- Page
- Seite 37 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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37 hinwies, dessen Schriftzüge aber Naftali sogleich als die seines Sohnes erkannte! Um seine Eltern der Sorge zu überheben, die sie sich um ihn während der da '.-.als noch mühe- und gefahrvollen Reise über den Ozean gemacht habenv würde, verschwieg der brave Sohn ihnen seine Absicht, nach dem neuen Erdteil auszuwandern. So erklärt sich die Überraschung, die der Brief ihnen bereitete. Um euch, liebe Kinder, mit der Denk- und Schreibweise unseres Dolfi bekannt zu machen, will ich den Brief hier im Auszuge wiedergeben! Philadelphia, 12. April 185 . . Innigstgeliebte Eltern! Der unfern Vätern einst das Uleer gespalten, führte auch mich unversehrt und wohlbehalten über die Ulellen des großen Ozeans hin in die neue Ulelt- Da bin ich nun endlich und glaube mirs selber nicht, daß ich da bin. Aber meine Kasse überzeugt mich davon, daß ich wirklich 36 preußische Thaler für die Einschiffung gezahlt, als wir von Hamburg abgesegelt . . . Aber „nichts gesorgt!" rufen mein mageres Felleisen und mein dickknotiger Ulander stab nur zu. Es giebt hier eine Zeitung, wo man täglich lesen kann, daß Arbeiter aller Art Beschäftigung finden. Die Zahlung ist bedeutend und das Leben hier gut und billig. Bei Arbeit und Uläßigkeit — hier zwei unerläßliche Bedingungen in jedem Stande und allen Verhältnissen — kann es umal der Handwerker leicht zu etwas bringen. Jetzt bin ich von der Reise ganz erschöpft. Doch vergaß ich trotz meiner Ermattung nicht, gestern Abend, als ich hier anlangte, eine Synagoge aufzusuchen, uni dem Gotte ineiner Väter ein Dankgebet darzubringen, und wahrlich! nie in meinein Leben habe ich so andächtig, so inniglich fronmi das Sch'iiia Zißroel!" gebetet wie gestern, und auf deiii Schiffe als wir — Sturm halten. Davon jedoch ein anderes U7al. .... hier also, wo die Arbeit so gut belohnt wird, will ich die ganze Kraft ineiner'Jugend aufbieten, um einst für Euer angenehmes Alter Sorge tragen zu könneii. O dann will ich in mein geliebtes heiniatlaiid zurückkehren und Euch kiiidlich treu pflegeii. Bis dahin aber lebet wohl und betet für mich so fleißig, wie für Euch betet und arbeitet Euer treuer Sohn Adolf." „Nun, habe ich nicht Recht, Naftali," sagte die Mutter nach Anhören des Briefes weinend, „daß nur der Dolfi stets der liebste unter unfern Kindern gewesen? was das arme Kind nicht alles ausstehen iiiuß — bloß um uns einst Freude zu machen, hätte er übrigens mich gefragt, ob er nach Amerika gehen soll, ich hätte ihm wahrlich nicht dazu geraten."