Israelitischer Jugendfreund
- Journal
- Israelitischer Jugendfreund
- Volume
- 4 (1898)
- Issue
- 3 (1898)
- Date
- 1898-01-01
- Page
- Seite 35 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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35 Daß jüngere Personen vor einem grauen Haupte aufstehen und das Alter ehren sollten, darüber wurde ausführlich m Nummer 4 v. Mrg. gesprochen. Zuvorkommenheit beim Grützen als Zeichen eines freundlichen, demütigen Wesens wird oft von den Lehrern des talmuöischen Zeitalters, eingeschärft, so Lpr. ö. Väter 1,ib, wo Schammai verlangt „jedermann mit Freundlichkeit aufznnehmen"; ähnlich spricht auch R. ^jsmael (5p. d. O. 3,23.) darüber und endlich 4,2o, wo es heißt: „Komm jedermann mit freundlichem Grütze Zuvor" u. s. w. Arbeiter und Handwerker aber waren dieser Pflicht enthoben, und es hieh darüber: „Gewerbsleute, die mit ihrer Arbeit beschäftigt sind, brauchen sich von ihrem Sitze nicht zu erheben, wenn ein gelehrter Alaun an ihnen vorübergeht" (Kidöusch 33a). 5oviel für heute über Höflichkeitsformen. Unter Grützen bin ich _ Dein Freund 211. Ein Handwerker. Eine Erzählung von Ignatz Reich. (Schluß.) wie einst uufer Erzvater Jakob mit seinem Wanderstabe über den Jordan zog, so war auch Adolf auf die Wanderschaft gegangen, das Ziel seinerwanderung noch nicht kennend, aber erfüllt mit vertrauen auf Gott und dem ernsten Willen eines strebsamen Jünglings und begleitet von dem Segen der Eltern und Geschwister. Auf leichten blauen Wellen gleitet das Dampfboot dahin, von der geliebten Heimat sich immermehr entfernend. „Gott geleite Dich, geliebtes Rind!" Ulit diesem innigen Wunsche verließen die Eltern in wehmütiger Stimmung die Abfahrtsstelle, um sich nach Hause zu begeben. wie einsam kam ihnen jetzt das einst so traute Heim vor! Die gedrückte Stimmung ließ zunächst keine Unterhaltung in der Familie aufkommen. Selbst die sonst so gesprächigen Ulädchen verrichteten schweigend ihre Arbeiten. Erst nach und nach, als man sich an die Abwesenheit Dolfis gewöhnt hatte, fand sich der frühere gemütliche Ton wieder. Die gute Nkutter konnte man oft unter Thränen sagen hören: „wer weiß, wie es jetzt unserm armen Rinde in der großen Welt gehen wird!" während Vater Naftali mi* stets anscheinend heiterer Uliene behauptete, daß er seinen Sohn gottlob recht gut versoxgt habe und um ihn durchaus nicht mehr bekümmert sei; seine Sorgfalt müsse er vielmehr den Töchtern Sarah und Rebekka zuwenden. In der That gab es jetzt alle Hände voll zu thun. Die beiden Ulädchen waren schon seit einiger Zeit verlobt und ihre Hochzeit stand nahe bevor. Nun galt es, für eine anständige Aussteuer zu sorgen. Auch die Vorbereitungen zu der Hochzeitsfeierlichkeit nahmen die