Israelitischer Jugendfreund
- Journal
- Israelitischer Jugendfreund
- Volume
- 4 (1898)
- Issue
- 3 (1898)
- Date
- 1898-01-01
- Page
- Seite 34 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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34 Höflichkeitsformen. Kon 2U. Andorn-Hattingen, vieber Freund! Deinem Wunsche gemäß will ich Deine Frage über „Höflichkeitsformen bei dem alten Volke Israel" ausführlich Zu beantworten suchen. Zuvor aber beinerke ich noch, daß Du in der Bibelübersetzung von Zunz viele der von mir nachstehend angegebenen Stellen selbst aufsuchen kannst und darüber Nachlesen magst. Also: Daß es bei den Israeliten Sitte war, stch beim Begrüßen zu neigen, Zu bücken oder vor vornehmen auf die Erde niederZuwerfen, lesen wir an vielen Stellen der Bibel, wie im I.Buch Alos. 18,-; I9,i; 42.6. Als Mob Zu Esau kam, um sich mit ihm ausZusöhnen, neigte er stch vor demselben sieben AIal Zur Crde, um dadurch einen erhöhten Grad von Ehrerbietung und Unterwürfigkeit Zu Zeigen, Kap. 35, », 6, 7. Begegnete ein Reiter einem vornehmeren, als er selbst war, so stieg er selbst vom Tiere und machte ihm die seinem Range Zukommenöe Verbeugung, l. B AI. 24.64, l. Sam. 25,2-, 2. König, 4,27. von dem Propheten (Elia wissen wir, daß er vor dem König Ahab bis gen ^esrel herlies, jedenfalls um demselben eine besondere Ehre zu erweisen, 1. Könige 18,46. Daß das Küssen ein Zeichen der Freundschaft beim Kommen und Weggehen war, hören wir an vielen Stellen der Bibel, ^jch errinne an Jakobs Ankunft bei seinen verwandten in Haran (Kap. 29), desgleichen seinwiedersehn öesSohnes Joseph, oder Aloses und Arons Begegnung auf dem Wege nach Ägypten, (2. B. AI. 4,2?). Denken wir ferner an den Abschied der (vrpa von ihrer Schwiegermutter Noemi (Rut 1,14), oder denjenigen des frommen Barsillais von David (Sam. 19,43.) Man küßte sich entweder auf den Alunö oder den Bart, den man dabei mit der Hand faßte. Niedere küßten dem Höheren auch wohl die Hände oder die Füße, und namentlich geschah letzteres als ein Zeichen der Huldigung. Erwiderte dieser einen gewöhnlichen Kuß, so galt dies als ein Zeichen ganZ besonderer Herablassung. Durch solche falschen Küsse wußte ja auch Absalom (2. Sam. 15,») die HerZen des Volkes Zu gewinnen. Die Begrttßungsworte waren meist ein Segensspruch, wie „der Herr sei mit dir", „Glück zu," warauf der Begrüßteerwiderte.- „der Herr segne dich," (Ruth 2,4, ps. 129,8.) oder inan erkundigte sich nach seinem gegenseitigen Wohlbefinden (1 Sam. 23,16,3) Die Worte, mit denen Geringere die Höheren begrüßten, waren stets Ausdrücke größter Ergebenheit, ja sogar Zuweilen Schimpfwörter, wie: „Dein Hund" u. s. w. Fürsten und Feldherren streute man Zum Zeichen der Crehrbietung Zweige und Kleider auf den weg, erleuchtete denselben auch wohl mit Fackelu und jauchzte ihnen Zu, wobei gewöhnlich auch Musik erscholl. (1. Kön. \>i0 1. kom. 9,13.)