Israelitischer Jugendfreund
- Journal
- Israelitischer Jugendfreund
- Volume
- 4 (1898)
- Issue
- 2 (1898)
- Date
- 1898-01-01
- Page
- Seite 27 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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27 und da sie ihre Schuldlosigkeit beteuerten, gefoltert. Durch diese sollte der Mund gestehen, was die Hand nicht getlian, der Kopf nichts wusste und das Herz verabscheute. Der einzige, der von Menschen hier helfen konnte, war M. Er erhielt deshalb viele und ergreifende Briefe. Er machte sich deshalb so bald wie möglich auf, wieder begleitet von seiner Gemahlin und mehreren Freunden, und erreichte glücklich Alexandrien in Ägypten. Von dem Herrscher dieses Landes*), dem ihm befreundeten Mehemed Ali, erbat und erwirkte sich M. zunächst eine mildere Behandlung der verhafteten Juden. Später setzte er es durch, dass alle Angeklagten auf freien Fuss gesetzt wurden. Aber mit diesem Ergebnis hielt M. seine Sendung noch nicht für vollendet. Konnte nicht in späterer Zeit ein ähnlicher Verdacht abermals namenloses Elend über viele Menschen hervorbringen? Dem suchte er wenigstens in den Ländern, die dem Szepter des türkischen Sultans Unterthan sind, vorzubeugen. Darum begab er sich nach Constantinopel, wo er auch vom obersten Beherrscher der Mohamedaner in Audienz empfangen wurde. Das Resultat dieser Unterredung war über alle Massen erfreulich. Es wurde nämlich eine vom Sultan Selbstunterzeichnete, allerhöchste Verfügung erlassen, in welcher es ein für alle Mal untersagt wurde, in des Sultans Landen einen Israeliten wegen jenes Verbrechens anzuklagen oder ihn gar an Leib und Ehre zu schädigen. So hatte Montefiore mehr erreicht, als er je zu hoffen gewagt. Innsbruck. Von Alfr. Seligsohn. Wohl in dem schönsten Teile des Innthals liegt zu beiden Seiten des Inn die Hauptstadt von Tirol: Innsbruck. Wenn man mit der Eisenbahn vom oberen Inn kommt, so erblickt man 10 Minuten vor Innsbruck einen Felsen, der senkrecht in das Thal abfällt. Die ganze Höhe der Martin sw and, so wird der Felsen genannt, beträgt 500 □ m. In einer Höhe von 200 m ungefähr befindet sich eine grosse Höhle, zu welcher ein spitzwinkliger Fussweg vom Thale aus hinanführt. Hier oben soll Kaiser Maximilian sich verirrt haben. Weiter das Thal hinunter gelangt man zum I sei berge. Hier wurde der erste Tunnel der Brennerbahn hindurchgeführt. Die tapferen Tiroler haben hier einst ihre Freiheit gegen die Bayern und ihre Verbündeten, die Franzosen, verteidigt. Auf dem Berge befindet sich ein Museum, in dessen unterm Stock sich ausser Waffen und Ausrüstungen noch das Todesurteil Andreas Hofers befindet, in welchem er vom französischen Kriegsgericht als Staatsver- *) Syrien mit Damasaiii gehörte damals zu Ägypten, geriet aber noch in demselben Jahre in die H&nde der Türkei.