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Israelitischer Jugendfreund · 1898-01-01 · 2 (1898) · p. Seite 26

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitischer Jugendfreund
Volume
4 (1898)
Issue
2 (1898)
Date
1898-01-01
Page
Seite 26 (sequence 12)
Language
German
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26 Ihr könnt euch wohl denken, dass diese Anlagen und Schöpfungen nur nach und nach "entstanden; aber ihr seht auch ein, dass so grossartige Unternehmungen viel, viel Geld erforderten. Die Kosten deckte M. zu einem nicht geringen Teil aus eigenen Mitteln. Teilweise wurden sie aber auch \on anderen wohlhabenden und wohlthätigen Glaubensgenossen aufgebracht, und unser M. bekam den ehrenvollen Auftrag, diese Gelder nach seinem Ermessen und Gutdünken zu verwenden. Wie wenig M. bei seinen Zügen an sich, seine Gesundheit, sein Leben dachte, zeigte die zweite Palästina-Fahrt im Jahre 1888. Hier wütete um jene Zeit die schreckliche Pest. Von allen Seiten riet man ihm daher ab, sich in ein Land, zu begeben, wo ihn die furchtbare Krankheit oder gar der Tod ereilen könnte. Nichts brachte ihn jedoch davon ab, sich der nun erst recht Heimgesuchten anzunehmen. Zwei Jahre später trat er für die Juden in Damascus, der Hauptstadt Syriens, ein. Es ist dies derselbe Ort, der schon in der Bibel unter dem Namen „Damesek“ vorkommt. Hier war 1840 ein Mönch ermordet worden. Man forschte nach den Mördern, konnte diese aber nicht auffinden. Da erscholl mit einem Male von einer Seite der lluf: Die Juden sind die Mörder, die Juden!! Man wollte auch bereits wissen, aus welchem Grunde sie dieses Verbrechen begangen haben sollten: „Um das Blut des Getöteten zu den Mazzoth für das Pessach-Fest“ zu verwenden. Liebe Kinder, ihr denkt vielleicht, solch’ alberne Anschuldigungen können nur da hinten in Asien Vorkommen. Leider ist dem nicht so. Im finsteren Mittelalter haben unsere armen Glaubensgenossen auch in Europa unter diesem abscheulichen Verdacht gar viel zu leiden gehabt. Mehr als einmal war der sogenannte „rituelle Mord“ der Grund, Unschuldige zu foltern, zu töten oder aus dem Lande hinaus zu jagen. Und noch in der Gegenwart halten gar manche dieses Märchen für Wahrheit, oder sie geben sich wenigstens den Anschein, als ob sie es glauben, obwohl kluge und edeldenkende Christen des öfteren diesem Blutaberglauben durch Wort und Schrift entgegen getreten sind und aus dem Schrifttum der Juden überzeugend nachgewiesen haben, dass diesen jeglicher Blutgenuss aufs strengste untersagt ist. Und nun gar erst — Menschenblut! Wenn nun eine solche Ungeheuerlichkeit noch in der Jetztzeit im aufgeklärten Europa hier und da Gläubige findet, so dürfen wir uns kaum darüber wundern, dass vor mehr als 50 Jahren die unwissende und rohe Bevölkerung von Damascus an der Wahrheit eines derartigen blossen Gerüchtes nicht den geringsten Zweifel erhob. Es wurden dann auch die Angesehendsten der jüdischen Gemeinde ins Gefängnis geworfen,

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