Mannheim
Compact Memory

Israelitischer Jugendfreund · 1898-01-01 · 2 (1898) · p. Seite 25

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitischer Jugendfreund
Volume
4 (1898)
Issue
2 (1898)
Date
1898-01-01
Page
Seite 25 (sequence 11)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/9620171-9622086-9622113--0898-9622124
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

25 Lin gar wehmütiger Anblick war es, den Jüngling mit dem Felleisen auf dein Rückeil so in der 2Tütte seiner treuen Eltern die Gasse entlang zum Dampfschiffe schreiten Zusehen. Eine schwarzdüstere Rauchsäule erhob sich, da über der Donau grüilliche Wellen, Hunderte in der Abreise Begriffeile wandelten daselbst an der Seite ihrer Freunde und Verwandten, teils in vertraulichem Gespräche, teils in der tiefen andächtigen Stille der Wehmut. Boch einmal schaute Adolf unl sich, illaß genau die zierliche Häuserreihe der Donauzeile, und noch einige Abschiedsblicke auf die zackigen Spitzen des „Blockberges" werfend, da — erklang das Glöcklein zum dritteil Wale! „Nur noch eineil Ruß, und lebet wohl!" Rauschend und stampfend enteilte das Schiff auf dem glatteil 5tromesspiegel; zurück schaute das treuherzige Aind. Die weinenden Eltern aber standen noch, als das Schiff schon längst verschwunden war, und wer weiß, wie viele beklominene Herzen daselbst mit ihnen Gleiches empfunden. (Schluß folgt.) Mose 5 Montefiore. Yon L. Abraham-Königsliütte. (Fortsetzung.) Wie sehr Montefiore auch durch Gaben und Unterstützungen im einzelnen zu helfen suchte, so war doch sein Blick stets auf das Ganze, auf das Allgemeine gerichtet. Darum beriet er mit einsichtsvollen Männern, wie dem trostlosen Zustande der palästinischen Judenlieit überhaupt ein Ende bereitet werden könnte. Das war nun freilich nicht so leicht zu sagen. Am meisten Anklang und Zustimmung fand der Vorschlag, die Israeliten sollten gleich ihren Vorfahren das Brot ihrer Nahrung sich selbst bereiten, d. li. sich dem Ackerbau zu wenden. Um aber diese Beschäftigung zu betreiben, mussten sie doch einen Acker, ein Stück Land, ihr eigen nennen dürfen. Ja, nach den damals für Palästina bestehenden Vorschriften hatte ein Israelit damals nicht einmal das Recht, solchen zu erwerben. Erst nach langen Verhandlungen erwirkte M. mit Hilfe des britischen Gesandten in Constantinopel vom Sultan die Erlaubnis, Land ankaufen und dies unter seine Glaubensgenossen verteilen zu dürfen. Das erworbene Gebiet übergab er solchen, die Lust und Liebe zur Landwirtschaft verspürten. Er versah die Kolonisten mit allem, was zum Betriebe für den Bodenbau nötig war. Ausserdem legte er Gärten an, baute Kranken- und Armenhäuser und errichtete auch Schulen, damit sich die Jugend schon frühzeitig an Ordnung und Arbeitsamkeit gewöhnte. So legte er den Grund für viele zu einem menschenwürdigen, frohen Dasein.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.