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Israelitischer Jugendfreund · 1898-01-01 · 2 (1898) · p. Seite 24

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitischer Jugendfreund
Volume
4 (1898)
Issue
2 (1898)
Date
1898-01-01
Page
Seite 24 (sequence 10)
Language
German
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24 hm wird ja der Morgen bald grauen und der Trennung unsäglicher Schmerz die fromme Behausung durchschauern! .... (D das Obdach des Elternhauses ist ein gar heiterer Himmel, von dem in feierlich mitternächtlicher Stille so oft Mannakörner der süßesten Hoffnung ins jugendliche Gemüt herniederträufeln — unschuldige, himmlische Taukörnchen, die von der Sonne des Gebens beschienen, zerfließen! — Doch ich ahne gleichwohl deine Zukunft, armer Jüngling. Zwar noch viel des Ungemaches und der Mühseligkeiten wirst du in wilder fremde dort ertragen müssen. Aber wie Thon im Feuer sich härtet und festigt, während loses wachs darin zerfließt, so werden nur schwache Seelen im Glutofen des Elends zagend und wankend, während die Willenskraft des Glaubensstarken sich stählt. Du trägst den Glauben zweitausendjähriger Dulder im Busen und kannst getrosten Mutes deinen Ahnen gleich in die unbekannte weite Fremde hinziehen! Es war, ach, eine kurze Frühlingsnacht! Sieh'! Schon sind Mutter und Schwestern unsers Adolf wach geworden, aus Furcht, der müde Adolf könnte verschlafen und die Abfahrt versäumen. „Auf mein Rind! um 6 Uhr geht das Dampfboot ab," so weckte die vorsichtige Mutter den im süßen Morgentraume saust lächelnden Sohn. Dieser bald angekleidet, verrichtete schnell sein Morgengebet, schnürte hurtig das Felleisen zusammen, und nach Wanderburschen-Sitte mit den Stiefeln auswärts auf den Rücken gekehrt, setzte er die Reisekappe auf, griff zum dickknotigen wanderstocke und setzte sich so bewaffnet, noch eimnal zum väterlichen Tische zu einer Schale Raffee, den er, nebenbei gesagt, nicht nur zu zuckeru, sondern selbst zu trinken vergaß. Der Vater sah auf die Uhr. plötzlich fiel Adolf dem grauen Naftali um den hals, umklammerte ihn so fest, so inniglich fest, als wollte er ihn mit sich in die Fremde nehmen, und Thränen und Rüffe bedeckten die welken Vaterhände. Mit noch glühenderem Schmerzgefühl umarmte er hierauf die treue Mutter, während die guten Schwestern, Sara und Rebeka in einem Winkelchen des Zinnners ihre Tücher vor beit Augen hielten, was diese edlen Seelen sich nicht alles beim Abschiede gegenseitig zu sagen und zu wünschen vorgenommen hatten; und doch konnte nientand ein Wort Hervorbringen. „Deinen Segen, mein lieber Vater!" rief auf einmal Adolf mit sichtlicher Anstrengung aus. Da hoben die Eltern flehend die Hände zum himinel enipor, und senkten sie sodann auf das Haupt ihres teuren Rindes hernieder. „Bete und arbeite," mahnte noch einmal der Vater. „Vergiß nicht die Lehre Deiner Mutter," fügte die fromine Mirjain schluchzend hinzu.

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