Israelitischer Jugendfreund
- Journal
- Israelitischer Jugendfreund
- Volume
- 4 (1898)
- Issue
- 2 (1898)
- Date
- 1898-01-01
- Page
- Seite 23 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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28 Zl>tr sitzen hier im weiten Kreis Bei frohein heitrem Feste, Mir rnhen von der Arbeit schweiß, Des XVeines muntre Gäste. Mer wagt es noch, der uns verletzt: Sie sind die Arbeitsscheuen!" Mir sind die Arbeittreuen, Erhalte uns der Arme Kraft Xlnd in der Brust den Glaubeil. Mir schaffen auch, was Einer schafft, Mer will deir Mut uns rauben? /tbir hämmern, mauern, zimmern jetzt, „Erhalt Luch Gott der Arme Kraft!" rief der begeisterte Naftali den jungen Arbeitern zu. „Und seinen Sinaiglauben, meine lieben Kinder," fügte Adolfs fronnne Ulutter hinzu. III. G du üeimatflur, o du üeimatflur, Laß zu deinem heil'gen Raum lNich iioch eiilinal nur,inich iioch einmal nur Entfliehen im Traum!" Sv. Rückert. Acht Tage verstrichen so in der gemütvollsten Heiterkeit; die zärtliche Ulutter seufzte nur in verborgener Stille, uili dem braven Sohne die letzten Tage der Anwesenheit im Elternhause nicht zu verleiden. Eben dies that auch der gefühlvolle Sohn; auch er weinte heimlich, um den Eltern die Fröhlichkeit seines Befreiungsfestes nicht zu trüben. Endlich rückte die Zeit der Wanderung herbei. Schon lagen Felleisen Wanderbuch, Wanderstab, Zeugnisse, sogar die Reisekarte lag neben dein Toilettenspiegel auf dem Nähtischchen bereit. Denn Adolf sollte ja schon mit dein morgigen Dampfboot zeitlich früh nach Wien abfahren. Deshalb ging es gar frisch und munter her. Hier näheten die sorgfältigen Schwestern noch so manches fester an und auf, während das Dienstmädchen mit dem Ausklopsen der Kleider beschäftigt war. Dort stand der gefällige Schneider, die eilends verfertigten Kleidungsstücke ins Felleisen packend, und die treue Ulutter, war sie unbeschäftigt dabei? Nicht so sehr. Sie hatte dein Kinde allerlei für die Reise gebacken. Und wo blieb der liebende Vater? Er allein stand unbeschäftigt und sah mit einem selbstbefriedigenden Lächeln diesem nmntern Treiben allenthalben zu. Und Adolf? Er lies zum letzten Male in die Werkstätte hin, um daselbst von seinen: Uleister und der Uleisterin, von den Gesellen und gewesenen Leidensbrüdern — den Lehrjungen — und, um alles zu sagen, auch von seinen Werkzeugen einen herzinniglichen Abschied zu nehmen. Indes wurde zu Hause alles in Ordnung gebracht, als Adolf in später Nacht von seinen Abschiedsbesuchen heimkehrte. — Lassen wir den müden Jüngling zum letzten Ulale sanft und sütz schlummern, lassen wir ihn ungestört träumen unter dem heiligen, schützenden Obdach des Elternhauses; ohne