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Israelitischer Jugendfreund · 1898-01-01 · 2 (1898) · p. Seite 20

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitischer Jugendfreund
Volume
4 (1898)
Issue
2 (1898)
Date
1898-01-01
Page
Seite 20 (sequence 6)
Language
German
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20 Ein Handwerker. Eine Erzählung von Ignatz Reich. (Fortsetzung.) II. Arbeit ist des Bürgers Zierde, Segen ist der Mühe preis; Ehrt den König seine U)ürde, Ehret uns der Hände Kleist. Schiller. So schwer auch anfangs der plötzliche Übergang voni Elternhause in die fremde Werkstätte unser,,: Adolf fallen mochte, so klagte er dennoch nicht, außer an dem Tage, da ihm der öftere Besuch in: Elternhause von seinem etwas strengen, aber wohlmeinenden Meister untersagt wurde. Es geschah dies mit Borwissen des Vaters, der seiner noch nicht ganz versöhnten Mirjam den Schinerz ersparen wollte, den ihr der Anblick ihres Rindes in Fell und Schürze bereitete. Jeden zweiten Abend erschien jedoch Vater Naftali pünktlich in der Werkstätte, um seinen: Rinde Rat und Trost zu spenden. Indes sah es mit dem neuen Jünger der Runst gar nicht so fd?lirmn aus, wie er sichs anfangs vorgestellt haben mochte. Denn da er einen Teil der Nacht gewöhnlich mit Lesen und Zeichnen zubrachte und den Tag über emsig bei der Arbeit war, gewann ihn der Meister sehr lieb. Er mußte für ihn mancherlei Dinge schreiben, Quittungen und Rechnungen ausstellen. Auch den Geselle,: gewann er dadurch einige Achtung ab,daß er für ste von Zeit zu Zeit Briefe in ihre Heimat schrieb. So geschah es, daß ihn der freundliche Meister seinen Buchhalter, die G'selten ihren Schreiber, die Lehrlinge aber gar ihren Professor nannten, weil er letzteren nach „Feierabend" zuweilen Unterricht im Lesen und Schreiben erteilte; denn in der damaligen Zeit war der Handwerker nicht so gut mit Schulkenntnissen ausgestattet, wie es heute erfreulicherweise nieistenteils der Fall ist. U)as Wunder nun, daß ihn die letzter,, überall verschonten, die weiten Gänge für ihn ,nachten, daß die Gesellen gerne ih,n nianches besondere Runststückchen zeigten, und der gutherzige Meister ihm bald die Erlaubnis gab, des Nachts für sich zu „pfuschen." Jetzt hobelte und schnitzte und leimte er in stillen einsamen Nächten recht wacker zu. Nach 3 Monaten war er «aufgedungen», und nach 6 Monaten wagte er es schon, mit den Erstlingen seines Fleißes die lieben Eltern zu überraschen. Jeden Monat seiner ferneren Lehrzeit brachte er auch pünktlich was Neues ins Vaterhaus, bis endlich zur Zeit seiner «Freisprechung» die ganzen geringen Möbel daselbst, wie: Sessel, Schenunel :c. die Spuren seines Fleißes trugen. — So oft nun die zärtliche Mutter die Schublade, eines von ihrem »geschickten Dolfi^ verfertigten kleinen Nähtischchens öffnete, pochte ihr Herz voll freudigen Gefühles und siel i,nmer eine Thräne in dasselbe. „Gott

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