Israelitischer Jugendfreund
- Journal
- Israelitischer Jugendfreund
- Volume
- 4 (1898)
- Issue
- 1 (1898)
- Date
- 1898-01-01
- Page
- Seite 13 (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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13 schneller geschlagen haben, als er das Land seiner Sehnsucht, die einstige Residenz des Königs David, betrat! Was er von seinen Glaubensgenossen sah und hörte, war allerdings nicht sonderlich geeignet, ihn mit Freude zu erfüllen. Die Notlage und das Elend unter ihnen war unbeschreiblich. Das Land, welches einst „von Milch und Honig floss,“ lag und liegt stellenweise auch heute noch unbebaut da. Den grössten Teil der Schuld hieran trägt die nachlässige Varwaltung. Palästina gehört zum grossen Türkischen Reiche. Wo aber „der Türke den Fuss hinsetzt, da dorret das Gras.‘‘ Freilich kann einem Teile unserer dortigen Glaubensgenossen der Vonwurf nicht erspart bleiben, dass sie nicht immer genug selbst Hand ans Werk legen und sich zu sehr auf die Mildthätigkelt ihrer europäischen Brüder verlassen. Wie dem nun auch sei, unser Montefiore fand hier ein grosses Feld für seine menschenfreundliche Thätigkeit. Siebenmal begab er sich nach dem „heiligen Lande,“ und sein Aufenthalt zog stets die wohlthätigsten Folgen nach sich. _ (Fortsetzung folgt.) Sabbatblmmn. Lin Märchen von S. B. Ceife, leise streicht der Abendwind durch den Blumengarten. Jede Blume, die er wie kosend streift, strömt aus in Fülle das, was ihr innerstes Sein ausmacht, den Duft, ohne den eine Blume wohl das Auge entzückt, aber wie ein lebloses Gebilde, während die duftenden Blumen in einer Seelensprache zu uns sprechen. Königin auch in diesem Garten war die Bose. In bunter Fracht und reicher Zahl prangt sie, halboffene, vollerblühte, große duftende Blumen. Und sie neigen sich und flüstern unter der Berührung des Abendwindes und träumen einem neuen Tage entgegen, träumen von all dem Sonnenschein, den erbringen wird, von dem Glanze, den sie entfalten wollen, stolz, selbstbewußt, wie Bosen eben sind. Lin neuer Tag gehtniber dem Garten aus. Taufrisch schauen die Bosen ihm ins Angesicht, eben wachgeküßt von der Sonne belebendem Strahl. Mitleidig schauen sie herab auf ihre niedrigeren Gefährten, die Beseden und Levkoyen, die Nelken und Stiefmütterchen, sie wissen nicht, daß sie mit ihnen ein Los teilen — zu blühen und zu welken. „Bin ich nicht schön und prächtig?" fragte die stolze, schöne Bote ihre gelbe Schwester. „Und wer kann mir etwas anhaben, da meine Dornen mich schützen?"