Israelitischer Jugendfreund
- Journal
- Israelitischer Jugendfreund
- Volume
- 4 (1898)
- Issue
- 1 (1898)
- Date
- 1898-01-01
- Page
- Seite 14 (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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14 Die Gelbe hat schon mehr Erfahrung, ihr Leben dauert bereits einige Tage, und sie weiß, das alles vergänglich ist. Soll sie der schönen, jungen Schwester den Zugendtraum stören? Wird sie ihr mehr glauben als dein bunten Walter, der ihr eben so köstliche Dinge von Leben) und Jugend ins Ohr flüstert? Sie wiegt sinnend ihr Haupt. — Siehe! Da tritt ein junges Weib in den Garten, selber einer vollerblühten Rose vergleichbar; ihr voraus springen ein Knabe und ein Mädchen, zwei herrliche Menschenknospen. Die Mutter trägt in der einen Hand ein Körbchen, in der andern eine Schere und scheint unschlüssig, wem sie folgen soll, ihrem Töchterchen oder ihrem Sohne, denn beide rufen: „hierher Mama, hierher, hier giebts die schönsten Rosen für unfern Sabbattisch." Und die Rosen erzittern in Ahnen und fürchten. „Was wird aus uns werden? Sollen wir nie mehr die Sonne sehen, die uns gewärmt ungepflegt und die wir so liebgewonnen?" Behutsam biegt die junge Frau die Zweige auseinander', behutsam schneidet sie die Blumen ab, vorsichtig, fast zärtlich legt sie dieselben in ihr Körbchen. Dazwischen Reseda und Nelken. Die Kinder schmiegen sich an sie, als üe mit ihrer duftenden Ernte ins Haus zurückkehrt; dort ordnet sie die Blumen in einer feinen, schönen Krystallvase mit köstlich frischem Wasser — wobei die Kinder helfen dürfen — und trägt den Strauß, o des ungeahnten Glanzes, in ein trautes, festliches Zimmer, stellt sie mitten auf einen blendend weiß gedeckten Tisch, worüber denn bald nachher eine schöne goldglänzende Lampe hell-leuchtenden Schein wirft. Alles Glanz, alles Licht ringswn. Hn6 nicht lange dauert es, da kommt ein schlanker Wann ins Zimmer, dem die junge Frau liebevoll die Hand reicht, und dem die Kinder mit dem Rufe: „Gut Schabbos, lieber j)apa" entgegenspringen, und denen er wie segnend die Hände aufs Haupt legt. Und dann hebt er sie empor und küßt sie. Nun gehen die Kinder zur Mutter, auch sie segnet und küßt sie auf die holden, reinen Kinderstirnen, und dann schauen die Eltern glücklich auf die Kinder, die mit frischen, fröhlichen Sümmchen in den Gesang einstimmen, den die Eltern begannen. Nun setzen alle sich zu Tisch, an den Tisch, auf dem die staunenden Rosen stehen, hoch hebt der Bater einen funkelnden Becher Weines und spricht den Segen darüber, und einladend lugen unter verhüllender Decke ein j)aar weiße Brote hervor. Die Rosen schauen und schauen. Also das ist der Sabbattisch, von dem die Kinder im Garten gesprochen, von den: sie gehört, daß sie ihn schmücken sollen! O, wie froh, wie froh sie sind! Und der leuchtende Glanz in den Augen der Menschen, ist er etwas anderes als der Wiederschein der Sabbatlampe, des Sabbatlichtes, das wiederum ein Abglanz ist des