Israelitischer Jugendfreund
- Journal
- Israelitischer Jugendfreund
- Volume
- 4 (1898)
- Issue
- 1 (1898)
- Date
- 1898-01-01
- Page
- Seite 12 (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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I 12 — gern des Judentums wohl die Ausübung aller Pflichten, verweigern ihnen aber die Rechte eines Bürgers. Sie dürfen nicht überall wohnen. Oft weist man ihnen eigens für sie bestimmte Stadtviertel zu, wo sie ohne Licht und ohne Luft ihr armseliges Dasein fristen. Das Land, i » dem sie geboren und aufgewachsen sind, betrachtet sie nur als Pro m de- Ja, noch könnten sie sich mit ihrem Schicksal versöhnen, wenn man sie behandeln würde nach dem Worte der „heiligen Schrift“: „Li neu Fremdling sollst Du nicht kränken und nicht bedrück ■ ti/1 Hatte nun Montefiore in Erfahrung gebracht, dass die Juden in irgend einem Lande gar zu unmenschlich behandelt wurden, so machte er sich auf, scheute nicht Mühe und Kosten, nicht Befahren und Alter, um seinen Stammesgenossen Linderung ihrer Leiden zu verschaffen. Meist suchte er den Herrscher des betreffenden Landes auf; wie Mose vor Pharao, trat er kühn vor den Fürsten hin, schilderte ihm das Leid und die Ungerechtigkeit und hielt erst dann seine Aufgabe für gelüst, wenn er von demselben die feste Zusicherung erhalten hatte, das l os der Bedrängten zu verbessern. Die Kamen der Länder und Städte, welche er aufsu hto und für die er als Verteidiger auftrat, sind meist auf den Bildnissen \ zeichnet. Sie umgeben und schmücken seine Brust wie bei hohen Persönlichkeiten die Orden und Ehrenzeichen. Da lesen wir: Jerusalem, Damaskus. Constantinopel, Marokko, Rom, St. Petersburg. Seine meisten Reisen galten dem heiligen Lande. Siebenmal weilte er hier, zuerst im Jahre 1828. Damals war jedoch das Reisen bei weitem beschwerlicher und langwieriger als in der Gegenwart. Heute kann man z. B. schon in wenigen Tagen die gewaltige Strecke von Paris — über Berlin, Wien, Budapest, — Belgrad — bis Konstantinopel mit der Bahn zurücklegen. Um jene Zeit waren die Eisenbahnen esst im Entstehen. Auch die Schifffahrt stand bei weitem nicht auf der heutigen Höhe. Das Dampfschiff wurde noch später erfunden als die Lokomotive. Zudem herrschte in vielen Gewässern, besonders in jenen, welche die Balkan-Halbinsel und Klein-Asien bespülen, eine grosse Unsicherheit. Musste doch Montefiore oft nicht nur ein eigenes Schiff für die Überfahrt mieten, sondern bisweilen auch noch ein solches zum Schutze gegen Seeräuber. Anfang Mai war M. weggefahren. Die Reise ging mit vielen Unterbrechungen durch Frankreich und Rahen Jus nach Neapel. Von hier begab er sich, immer begleitet von seiner Frau, nach Alexandrien, von dort nach Joppe oder Jaffa, dem Hafen von Palästina. Erst Mitte Oktober langte er in Jerusalem an. Wie mag sich seine stolze Brust höher gehoben, sein Herz