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Israelitischer Jugendfreund · 1898-01-01 · 1 (1898) · p. Seite 8

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Journal
Israelitischer Jugendfreund
Volume
4 (1898)
Issue
1 (1898)
Date
1898-01-01
Page
Seite 8 (sequence 15)
Language
German
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8 „Weshalb das?" fragte die Mutter, die schon etwas zu ahnen begann. „Oder willst Du ihn vielleicht in die — Lateinschule einschreiben oder eine handelsschule besuchen lassen? Ich glaube selbst, es wäre schon Zeit, mit ihm etwas Ernstes zu unternehmen." . „Für dieses Jahr," erwiderte ruhig und gelassen der Bater, „wird er weder die Latainnoch die Handelsschule besuchen." „Und wo denn willst Du ihn hinschicken?" „In die Tischlerwerkstatt, um Tischler zu werden." „U)as? Adolf ein Tischler! Nein, Naftalil Das gebe ich nicht zu, daß unser armes, gutes, schwächliches Rind die langen Bretter in Schürze und Pantoffeln durch die Gaste schleppe! Hast Du gut überlegt, was Du thun willst?" „Ich habe es. Adolf ist weder zart noch schwach, vielmehr gesund und kräftig, und was die Schande der Schürze und Pantoffel betrifft, trage ich sie als Bater so gut wie Du." „Das hätte ich nie geahnt, daß ich mein liebes Rind zum Tischler erziehe," seufzte die Mutter. „Hält' ich ein Gut, so müßte er Gutsbesitzer werden." „Muß inan gerade Güter haben? Was machen denn die andern Rinder, die weniger Unterstützung haben rmd dennoch studieren?" „Das mag so im Leben Vorkommen; aber was meinen Adolf belangt, so soll er entweder studierend, h. seine Zeit ganz und ungeteilt dein Studium weihen können, oder er soll es nicht — gar nicht. Er soll nicht zweien mit einander unverträglichen Obliegenheiten zur Beute werden. Eines soll er sein, aber das ganz, so glaube ich. Er soll nicht privatstunden geben müssen, wenn er erschöpft nnd ermattet aus der Borlesung nach Hause kommt. Auch möchte ich nicht, daß er sein Leben hindurch in der Schreibstube — so vornehin sie auch sein mag — hinsieche. Dich blenden nur die Doktoren, die in Equipagen umherfahren, oder die Buchhalter, die in wenigen Jahren Rompagnons ihrer gewesenen Thess wurden, oder solche, die gar mit Tredit versehen auf eigene Faust ein Geschäft eröffneten? Aber glaube mir, Mirjam, oft beneiden uns jene, die wir beneideu. Blich blendet das nicht. War ich doch selbst in meiner Jugend Buchhalter, habe in den vornehmsten Rontors in Wien und Pest gesessen, habe endlich aus eigenem Namen ein Geschäft gehabt, war Großhändler — und nun, was jetzt?" * „Das Glück steht freilich beim lieben Gott," meinte die Mutter befchwichtigend. „Aber ich will nun aus eigener Erfahrung wenigstens so viel gelernt haben, um das, was bei mir leider schon zu spät ist, bei meinen! Rinde besser zu rnachen. Ich will mein Rind nicht den launenhaften Glücksfällen preisgeben, sondern ihm etwas Solides bieten, was er — so ihm nur Gott ge« sunden Leib und Sinn verleiht, es bloß festzuhalten braucht, um ruhig, unab»

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