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Israelitischer Jugendfreund · 1898-01-01 · 1 (1898) · p. Seite 7

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Journal
Israelitischer Jugendfreund
Volume
4 (1898)
Issue
1 (1898)
Date
1898-01-01
Page
Seite 7 (sequence 14)
Language
German
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Wohlgefälligkeit perfertigen, die Dit nicht nur reichen Gewinn und einen guten Namen einbringen, sondern Dein Handwerk zu einer Kiuift erheben, was Dir erst wahre innere Befriedigung verschaffen kann." Adolf war den Worten seines Vaters mit ungeteilter Aufmerksamkeit gefolgt. Nach einer kurzen Pause, während welcher dieser den Sohn beob. achtete, um aus seinen Mienen zu entnehmen, welchen Eindruck feine Worte auf den verstand und das Gemüt des Rindes gemacht hätten, fuhr er fort: „Bist Du mit meiner Wahl zufrieden? Sag' es nur offen und ehrlich heraus. Du brauchst Dich nicht zurückzuhalten. Ich weiß wohl, daß, wie es in der Natur keine zwei vollkommen gleiche Dinge giebt, es eben so int Reiche des Geistes ist. Fast jeder Mensch besitzt eine ihm eigentümliche vorherrschende Neigung zu einem besonderen Gewerbe oder Geschäfte, an dem er vorzugsweise Wohlgefallen findet — man nennt dies Beruf. Darmn noch einmal, nrein Rind, bist Du entschlossen, fest entschlossen?" „Ja, lieber Vater," versetzte Adolf, „ich will in allein Deinen willen vollziehen. Ich gelobe Dir treuen Gehorsmn gegen meinen Meister, einen unverdrossenen Fleiß und ein sittlich gutes Betragen. Mit was sonst könnte ich mich dankbar gegen Dich bewähren? Ist es ja der letzte Tag vielleicht, wo ich mi Deinem Tische . . . Vater!" — Mehr konnte dee Rnabe vor weinen und Schluchzen nicht Hervorbringen . . . Auch in den Wimpern des graueil Naftali zitterte eine Thräne, indenl er die Stirne des braven Sohiles küßte, die segilende vaterhand aus fein Haupt legte. Unterdessen fiel'bereits der volle Strahl der Morgensonne in die gewesene Studierstube des Rnabeii uild beleuchtete Vater wid Sohil. „Die Sonne ist aufgegmigen, bete, mein Sohn!" sprach jener tief gerührt, „Flehe um Gottes Beistmid, und »bete und arbeite« sei fortml Deiil Losungswort! Aber wozu Dich ermahnen? wie die Erde eine Anziehungskraft für den Rörper besitzt, so hat auch der hiinrnel seine Anziehungskraft für die froinmen Seelen. Bete llun, mein Sohil," wiederholte der Vater, — und nachdem er ihnr deil Auftrag erteilt hatte, heute noch seine Schulzeugnisse abzuholen, verließ er ihil. Gleich ilach verrichteter Morgeirandacht inachte sich Adolf daran, den väterlicheil Befehj zu vollziehen und die Schulzeugnisse über seine beeildeten 3 Normalklassen abzuholen. Da aber die Zeugnisse von den betreffenden Lehrern und deiil Schuldirektor unterfertigt werden müssen, wurde unser Adolf lange damit hingehalten uild beim Frühstücke vermißt. „Schau Dich nach dem Dolfi um, Rebekka, wo er so lange weilt," begann nun die wegeil seines Ausbleibens besorgte Mutter. „Ersparet Euch die Mühe," versetzte der Vater, „ich habe ihn weggeschickt. Er holt seine Schulzeugnisse ab."

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