Israelitischer Jugendfreund
- Journal
- Israelitischer Jugendfreund
- Volume
- 4 (1898)
- Issue
- 1 (1898)
- Date
- 1898-01-01
- Page
- Seite 6 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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6 derselben überlassen. Nur möchte ich, daß Du mir, lieber Vater, ein reinliches, wenngleich kein leichtes Handwerk wählen mögest." „Sei unbesorgt, lieber Dolfi," erwiderte der Vater, über diese kindliche Äußerung hocherfreut. „Du sollst weder als Schmied wie ein schwarzes Teufelchen durch die Gaffen ziehen, noch als Schusterjunge Dein Liedchen pfeifen. Nicht etwa weil dieses Handwerk minder ehrenhaft und nützlich als die andern u aie, da sie ja sämtlich zur Veredlung, Erleichterung oder Bequemlichkeit des menschlischen Lebens beitragen. Acit Recht sagen unsere Weisen: „Werseinen Sohn kein Gewerbe lehrt, der lehrt ihn gleichsam das Räuberhandwerk." „Das Räuberhandwerk!" fragte Adolf erstaunt. „Ja, Dolsi, weil ein solcher Vater, zumal wenn er arin ist, dem Sohne gar oft dadurch Veranlassung giebt, sein Brot auf ungerechte Weise, durch Betrug und Wucher, zu erwerben; und fällt die Schuld nicht da auf den Vater zurück, der die schliinmen folgen der Vernachlässigung wohl voraussehen sollte? Dolsi, könntest Du solche Schmach und Schuld einst aufs graue Haupt Deines Vaters wälzen?" „Nein, guter, lieber Vater, nun und nimmermehr!" „Nun so folge meinem väterlichen Rate. Greife mutig und unverdrossen, greife mit innigster Lust zur Arbeit! Arbeit ist dasjenige, was stets gesucht und belohnt wird. UXt Vermögen hat, kann dasselbe nicht anders nützlich anwenden, als wenn er damit Arbeit bezahlt; und wer keines besitzt, der nmß selbst arbeiten, uni sich die nötigen Bedürfnismittel dafür einzutauschen. Durch die Arbeit wird Deine Hand gar schmutzig, aber Dein Gewissen rein bleiben. Und soll ich Dir all' die wichtigen Vorteile herzählen, die der arbeitsame Broterwerb noch außerdem gewährt? Fleiß, Ordnung und richtige Würdigung des Lebenswertes — sind gar köstliche Schätze, welche der Müßiggang oder die schlendernde Beschäftigung, die nach unbestimmtem und zufälligen: Gewinne hascht, nie und niminer erkennt. Du wirft gesund an Leib und Seele, frisch an Geist und Herz; du wirst unabhängig sein, während manche von Dir jetzt beneidete junge Herrchen Sklaven ihrer falschen Begierden — ein kummervolles Leben führen werden. Auch die U)ahl der Art des von Dir zu erlernenden Handwerkes war Gegenstand meines Nachdenkens, und ich bin zu dem Entschluß gekonnnen, Dich im Tischlerhandwerk ausbilden zu lasten. Dies Handwerk ist nützlich und reinlich; des Sommers kannst Du es in freier Luft, des Winters in wohlgeheizter Stube betreiben, und da es auch sehr viel dabei auf Eleganz der Form ankonunt, spornt es zur Empfindlichkeit an und bildet den Geschmack zu einen: wahren Aunstsinne aus. Wenn Du übrigens — was ich von Deiner Lernbegierde voraussetze — die Fortbildungschule fleißig besuchen und Dich im Zeichnen vervollkommnen wirst, kannst Du noch einmal schöne künstliche Dinge voll Zierlichkeit und