Mannheim
Compact Memory

Israelitischer Jugendfreund · 1898-01-01 · 1 (1898) · p. Seite 5

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitischer Jugendfreund
Volume
4 (1898)
Issue
1 (1898)
Date
1898-01-01
Page
Seite 5 (sequence 12)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/9620171-9622086-9622087--0873-9622098
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

5 zu, damit er seinen Auinmer der lieben ZHutfer nicht verrate. — Beide, Vater Naftali und ^Nutter Mirjam, liebten ihren braven Lohn aufs innigste; Beide wünschten ihn glücklich zu sehen; nur waren die Ansichten über die zu zu ergreifenden Mittel bei ihnen gar verschieden. Die Mutter dachte sich ihren Dolfi als einstigen berühmten Doktor in glänzender Equipage einhersahrend, oder wenigstens als angesehenen Buchhalter in einer der vorzüglichsten Aontors der Hauptstadt arbeitend, während der vielgeprüfte Vater seinem Lohne eine viel bescheidenere, dafür aber freiere und unabhängigere Ltellung zu sichern bestrebt war. Zudem es jetzt zur Entscheidung kommen sollte, wußte der erfahrene Naftali, daß ein bedeutender Widerstand von Leiten der Mutter — zumal wenn Adolf auf ihrer Leite ist — eintreten müsse. Er suchte daher die Mitteilung seines Vorhabens so lange hinauszuschieben, bis Dolfi sich vollends beruhigt haben wird. Vater Naftali hatte in der Chat sehr richtig geurteilt. Denn als nach beendetein Mahle sich alles zur Ruhe begab und Adolf in nächtlicher Stille ernst und besonnen über seine Zukunft nachdachte, da wurde es ihm allmählich leichter. „Weshalb," fragte sich das verständige Aind, „weshalb mich schämen, ein redliches Handwerk zu lernen? Etwa weil einige alberne Ainder mich auslachen werden? Was liegt daran! Wer weiß, ob ich nicht einst sie auslachen werde? Übrigens gab es ja selbst unter unseren Weisen Lchuster, Schmiede, u. s. w. und doch glänzen ihre Namen deshalb nicht minder bis auf den heutigen Tag fort. Und ich glaube, es ist keine Lchande, solchen Männern nachzuahmen." Über dies und Ähnliches nachsinnend, schlmnmerte er endlich ein. Bald sah er sich im Nebelgebilde des Trauines als schmutzigen und witzigen Schusterjungen, bald als stänmügen Schmieden mit nerviger Hand kühn den Hammer schwingend — bis der Morgen in sein Schlaf uu6 Studierzimmerchen sanft hereinzudämmern begann. Weil, er mm in den goldenen Frühstunden seine Lektionen zu lernen und die Schulaufgaben zu arbeiten pflegte, war er auch heute, ganz der Gewohnheit gemäß, mit des Morgens Grauen auf den Beinen. Da fuhr es ihm ' noch einmal schneidend durch die Seele, daß er keine Schule mehr besuchen werde! Weh nütig betrachtete er noch einmal die abgeschriebenen Gegenstände und Zeichnungen, ordnete sie sorgfältig, legte sie klassenweise nebeneinander — um ihnen für innner ein Lebewohl zu sagen. „Nun wozu hast Du Dich entschlossen, liebes Aind?" sprach der eintretende Vater unserm noch innner traurig gestinnnten Adolf an. „O, jetzt will ich schon jede Profession gerne lernen, weil mir jede ehrenhaft und nützlich erscheint; ich konnte mich aber eben deshalb zu keiner entsebließen und will daber lieber Deiner väterlichen Güte und Sorgfalt die

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.