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Israelitischer Jugendfreund · 1898-01-01 · 1 (1898) · p. Seite 4

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Journal
Israelitischer Jugendfreund
Volume
4 (1898)
Issue
1 (1898)
Date
1898-01-01
Page
Seite 4 (sequence 11)
Language
German
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4 „Mein, lieber Dolfi, ich bin die Ursache, d. h. meine geringen Vermögensumstände! Studieren kostet Zeit und Geld, und ich habe ja noch Rinder; verstehst Du?" „Und was für ein Handwerk soll ich lernen?" stotterte verlegen der Rnabe, das seinen Vater noch nie in so entschlossenem Tone zu sich reden hörte. „Gin Handwerk, gleichwohl welches, Du kannst es Dir selbst wählen. Trachte nur, daß Du ein Gewerbe lernst, welches seinen Mann in Zukunft nährt und ehrt. Trachte aber auch, daß Du bald, recht bald etwas wirst. Auf lange kann ich Dich nicht unterstützen ..." Bleich und zitternd staad bei diesen Morten der brave Adolf da. „Aber wozu habe ich die 3 Rlassen an der Hauptschule »mit Vorzugs beendet? soll ich jetzt in Schürze und Pantoffel zum Hohngelächter meiner Mitschüler durch die Straße laufen?" mochte wohl jetzt sein kindischer Sinn gefragt haben. Doch denr Vater zu widersprechen, wagte er nicht. Rann wohl auch der Segen Gottes ein Rind begleiten, das gegen des Vaters Millen etwas zu unternehmen sich erkühnt? — „Teurer, guter Vater," rief endlich Adolf nach einein schweren inner« Rampfe unter Thränen aus, „erlaube mir nur bis morgen über das Handwerk nachzudenken, welches ich lernen soll." „Meine nicht, mein Sohn, Du machst mir großen Rümmer, wenn Du nicht gerne einwilligest, denn . . ." „Ich weine ja nicht wegen des Handwerks, ich weine blos, weil es mir im Herzen weh^, thut, meine guten Lehrer und Mitschüler mit einem Riale so ganz unverhofft verlassen zu müssen," brachte Adolf zu seiner Entschuldigung vor. Indes war das Mirtschaften in der Rüche beendet, und die Mutter kehrte ins Zinnner zurück. Als sie eintrat, lispelte der Vater denl gehorsamen Sohne zu: „Schweig jetzt und lasse die Mutter durchaus nichts merken." Auf diese kurze Ermahnung schlich das folgsame Rind aus der Stube, um die verräterischen Zeugen seines Rümmers, die Thränen, aus den Augen zu wischen. Mie ec aber draußen so allein gen Hinnnel schaute, brach er erst recht aufs neue in ein lautes Meinen aus. „Mie unglücklich werde ich sein! Mie viel werde ich nicht noch zu kämpfen und zu dulden haben! Und wie werden mich meine eigenen Mitschüler bemitleiden." „Zum Nachtmahl!" wurde jetzt gerufen, und die Selbstbetrachtung mußte ein Ende nehmen. Bei Tische war man heut so sonderlich mißgestimmt, daß auch seine traurige Miene nicht auffallen konnte. Doch warf ihm der vorsichtige Vater tpäfyreitfc des kärglichen Mahles mahnende Blicke

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