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Israelitischer Jugendfreund · 1898-01-01 · 1 (1898) · p. Seite 3

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitischer Jugendfreund
Volume
4 (1898)
Issue
1 (1898)
Date
1898-01-01
Page
Seite 3 (sequence 10)
Language
German
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Ein Handwerker. Line Erzählung von Ignatz Reich. „Gut' Moch'l" rief der fromme Naftali seinen Hausleuten zu, die vorder Hausflur sitzend, seine Heimkehr aus der Synagoge erwarteten. „Gut' Moch'l" erwiderte die verständige Hausfrau, „peßach, Gottlob auch vorüber." Nun schritten Mutter und Rinder der Stube zu, um dem ihnen liebgewordenen peßachfeste durch den habdalah-Segen das Geleite zu geben. „wie doch alles so vergänglich ist!" rief die Mutter wehmütig ihren Rindern zu, denen es gar sonderlich wehe that, die schönen Feierkleider so bald mit dein Alltagsgewande vertauschen zu müssen. Bald nach dem Segensspruche waren Mutter und Tochter mit dein Megräumen des Peßachwie mit dem Ordnen des Thamez-Gefchirres in der Rüche beschäftigt, während der greise Hausvater einsam in der Stube sitzend, nachdachte, was er mit seinem ^jährigen Adolf beim herannahenden Semester (es war eben der Sommerkurs) beginnen sollte. Plötzlich öffnete sich die Thüre, und ein blühender Junge, der Gegenstand dieses emsigen Nachdenkens, trat ein. „Mo hast Du so lange gesäumt," redete der Vater den Rnaben an. „Ich war bei einem meiner Mitschüler, um mich wegen der Einschreibung zu erkundigen und um zu hören, welche Bücher für das nächste Semester nötig seien." „Brav, mein Sohn, doch war es diesmal leider nicht nötig; denn kurz gesagt: ich kann Dich nicht mehr lernen lassen." „Und warmu denn nicht, lieber Vater," rief Adolf sichtlich erschrocken aus. „Mar ich denn nicht fleißig und brav? habeich nicht erst neulich von der Hauptprüfung eine Ehrenkarte heimgebracht?" „Das ist wahr, mein Sohn, die Schuld liegt auch nicht an Dir, sondern einzig und allein an mir. Ich kann nicht mehr wie bisher. Mein Alter, die abnehnrenden Rräfte, die schlechten Zeiten, kurz es geht nicht nrehr. Ich kann Dich nicht weiter studieren lasten, ohne an mir, an Deiner guten Mutter und an Deinen braven Geschwistern eine Sünde zu begehen . . . Siehst Du, mein Rind," setzte mit erzwungener Fassung der Vater fort, indem er einen zärtlichen Blick auf das bestürzte Rind heftete, „siehst Du, Du hast bereits das Lebensjahr überschritten, und ich kann wohl schon ein ernstes Mort zu Dir reden. Ich weiß, daß Du ein treues Rind bist, das sich dein väterlichen Millen fügt. Ich will, daß Du ein tüchtiger Handwerker und kein Gelehrter werden sollst, hörst Du? das ist mein fester Vorsatz, und das wirst Du thun. Ein braver Handwerker, das ist genug für Dich ..." „Handwerker? warum nicht lieber Techniker, wie Du früher sagtest? Sind meine Zeichnungen nicht rein und gut?"

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