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Israelitischer Jugendfreund · 1897-01-01 · 24 (1897) · p. Seite 378

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitischer Jugendfreund
Volume
3 (1897)
Issue
24 (1897)
Date
1897-01-01
Page
Seite 378 (sequence 10)
Language
German
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378 gar nicht mehr so widerwärtig aus. Nachdem die dicke Staubschicht nä vlich herunter war, erschien eine glänzend grüne Farbe, und die Dornen sahen aus, als ob sie zum Schutze der Pflanze da seien. So oft es nötig schien, wurde der Topf nun begossen, täglich an das offene Fenster gestellt, immer nach der Somte geruckt, damit ihm kein Strahl entgehe. Wenn die anderen Wädchen nun eifrig von dem Wachstum ihrer Pflanzen sprachen, lächelte Trudchen geheimnisvoll und glückselig, ihr Pflänzchen zeigte ja ebenfalls Fortschritte, es gedieh zusehends, und an einein Stachelbündel hatte sich gar eine dicke Knospe gebildet. Wenn sich die entfalten würde, wenn die erblühte! Welche unerhoffte Freude, welches Glück wäre das für Trudchen! In den großen Ferien hatte das Kind noch mehr Zeit, sich um seine Pflanze zu bekümmern, und diese entwickelte sich so trefflich, daß, als der Tag der Prämienverteilung da war, sich der Blumenkelch, wie durch eine göttliche Fügung, geöffnet hatte und Trudens freudetrunkenen Augen eine große purpurrote Blume entgegen strahlte, der ein süßer, vanillenartiger feiner Geruch entströmte. Klopfenden Herzens trug sie die Blume zur Schule. Was machten der Lehrer und die Mitschülerinnen für verwunderte Augen, als sie Trudchen nüt der kostbaren Pflanze sahen. „Wie kommst Du zu diesem herrlichen Kaktus?" fragte der Lehrer Trudchen. In schlichten Worten erzählte nun diese alles. Dem «Lehrer wurde es weich ums Herz, und auch den Kindern stahl sich dne Thräne der Rührung ins Auge. „Du hast den Preis errungen, meine Tochter," Hub der Lehrer an, „Du hast aus dem unscheinbarsten Dornengestrüpp die schönste Pflanze herangezogen; aber eine noch viel kostbarere Pflanze erblüht Dir in Deinem Herzen: es ist die Bethätigung der reinsten, treuesten Kindesliebe. Die Opferwilligkeit und Selbstlosigkeit, die erhalte Dir ferner." Alle Kinder umringten nun Trudchen und freuteu sich mit ihr, und das Blädchen, welches damals so geringschätzig von der „Lumpensammlerstochter" gedach hatte, zupfte sie am Ärmel und bat: „Laß mich Deine Freundin sein." So erringt die Tugend stets den Preis über jedes Vorurteil. Oer Spreewald. Unterhalb Kottbus, bei Peitz, tritt die Spree in die südliche Senke und wird aus ihrer bis dahin nördlichen Richtung auf drei Meilen nach Westnordwest gebogen. Die Senke füllt der morastige Spreewald aus, der nach der darinliegenden Stadt Lübben in den grösseren oberen und den kleineren unteren geteilt wird. Die Spree kommt hier wegen mangelnden Gefälles in Verlegenheit, welchen Weg sie wählen soll und teilt sich daher in eine unzählige Menge von Armen, die netzartig eine weite, bei hohem Wasserstande ganz überschwemmte Niederung durch*

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