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Israelitischer Jugendfreund · 1897-01-01 · 24 (1897) · p. Seite 377

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitischer Jugendfreund
Volume
3 (1897)
Issue
24 (1897)
Date
1897-01-01
Page
Seite 377 (sequence 9)
Language
German
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377 sich, das wäre nur der erste Eifer, der wird bald Nachlassen; aber nein, mit eiserner Willenskraft bezwang Trudchen ihre Müdigkeit und war seine tägliche treue Begleiterin und Mitarbeiterin. Der Vater liebte es nicht, viele Worte zu machen, aber Trudchen fühlte, daß ihr Thun ihn erfreute, uu5 so kam sie denn lieber so manches Wal zu spät zur Schule, als daß sie den Vater im Stiche ließe und nahm die Vorwürfe des Lehrers geduldig hin. Tine so harte Strafe jedoch, wie die heutige, hatte sie nicht erwartet! Sie hatte sich so sehr auf einen Blumentopf gefreut und war nun wegen ihrer Zurücksetzung tief, tief unglücklich. Sie sing laut an zu schluchzen, so daß ihre Freundin mitleidig sagte: „Du kannst nieinen Topf manchmal begießen helfen." Die andern Witschülerinnen aber steckten geschwätzig ihre Aöpfe zusammen und tuschelten über Trudchens Zurücksetzung. Eine lang aufgeschossene Blondine machte ein besonders nachdenkliches Gesicht und meinte ernsthaft und hochmütig: „Wer weiß, ob bei einer „Lumpensammlerstochter" ein Blumentopf überhaupt gediehen wäre!" Am andern Worgen, als Trudchen mit ihrem Vater die Aehrichthaufen durchsuchte, stieß sie auf einen bereits schadhaften Blumentopf, in dein eine anscheinend verdorrte Pflanze steckte. Sie hob den Topf auf und nahm ihn mit nach Hause. „Was schleppst Du denn da mit, Trude?-" fragte der Vater. Da vertraute Trudchen ihm ihren Aummer an. „Wein armes Wädel," antwortete er, laß das verdorrte, stachelige Zeug liegen, ich will Dir den schönsten besten Blumentopf kaufen, den ich bekommen kann, das hast Du wohl um mich verdient." „Nein, mein lieber Vater," wehrte das Rind ihm ab, „Du brauchst ja das Geld nötiger für anderes, für Lebensmittel und Aleidung, als uni mir Blwnen zu kaufen, und ich weiß ja, wie schwer Du es verdienst, Dein liebevolles Anerbieten macht schon so glücklich, als ob mein Wunsch erfüllt wäre!" „Wein Prachtmädel," murmelte der Vater leise und zog zärtlich und stolz sein Aind an sich, um es zu Herzen. Der Ort, an dem die beiden weilten, war gewiß nicht geeignet, tiefere Empfindungen zu weckeil, und doch fühlten sie sich in dem Augenblick unendlich weihevoll gestivlNlt, enlporgehoben über Wenschenelend uild -leid. Das. jüdische Herz, das kein Opfer scheut, hatte ihnen das Gefühl der höchsten Befriedigung verliehen: „Andere zu beglücken und darin sein eigenes Glück zu finden." Innig umschlungen standen sie da, einer fühlte an dein andern einen festen halt, der arnle Lumpensammler an seinenl braven Ainde, und dieses ahnte, daß unter der rauhen Außenseite und dem "Kittel ihres Vaters ein gar treues Herz schlug. „Zunl Andenkeil au den heutigen schönen Tag will ich die stachelige Pflanze doch vlitilehiileil. Vater," sagte Trude, „vielleicht wird noch etwas daraus, es ist doch wie eine Fügung, daß ich gerade heute eine Pflanze gefunden habe." Gesagt, gethan. Als Trude aus der Schule karn, säuberte sie mit warmenl Wasser erst recht gründlich das Gewächs, und siehe da, hiernach sah es schon

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