Israelitischer Jugendfreund
- Journal
- Israelitischer Jugendfreund
- Volume
- 3 (1897)
- Issue
- 24 (1897)
- Date
- 1897-01-01
- Page
- Seite 374 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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374 feine Hand. <£r entnimmt einem kleinen Koffer noch reiche Gaben, eine wunderbar geschnitzte, echt römische Eamöe, in altehrwürdiger Goldfassung, Bilder und Bronzen zum Schmucke ihres Schreibtisches; Liebe, gepaart mit feinstem Geschmacke und Kunstverständnis leitete ihn bei der Wahl seinerwertvollen Geschenke. Sie ist gerührt, erfreut, entzückt und dankt ihm mit innigen Blicken und holden Worten. Auch sie hat allerlei Gaben, wenn auch minder kostbare für ihn zum Feste in Bereitschaft; eine weiche Schlummerrolle von Plüsch, ein paar bequeme, warm gefütterte Worgenschuhe; sie hat in seiner Abwesenheit sich so gern für ihn beschäftigt; er dankt ihr freundlich, küßt die schlanken Finger, die so mühevolle Stickereien für ihn gefertigt, aber er zieht die hohe gedankenreiche Stirn etwas kraus, als Arzt zürnt er ein wenig, er hat ihr schon oft verboten, ihre ohnehin schwachen Augen, besonders bei den kurzen W lutertagen, anzustrengen. Sie entschlüpft schnell seinem milden Tadel und verläßt das Zimmer auf wenige Kanuten. Als der schwere Plüschvorhang sich wieder hebt, beleuchten die Ehanukahlichtcheu eine anmutige Gruppe, eine holde, schlanke Frauengestalt mit einem kleinen blonden Wädchen in lichtblauem Kleidchen an der Hand. „Dies, lieber Mann, ist mein eigentliches Ehanukahgeschenk für Dich, für mich, für unser Haus! Gottes Fügung führte mir gestern ein pflegelöchterchen zu! Für unfern Heimgegangenen Herzensliebling giebt es keinen Ersatz, aber von einer armen, kinderreichen KTutter erbat ich mir gestern dieses liebe Kind, um es zu erziehen. Habe Blariechen auch ein wenig lieb und zürne mir nicht, daß ich, ebne Dich zu fragen, der Eingebung des Augenblickes folgend, das Kind sogleich mit mir nahm; ich wußte, ich handle in Deinem Sinne," sagte sie weich. „Was du auch thuest, es ist stets in meinem Sinne! Wöge der Einzug des Kindes in unser Haus von einem guten Sterne geleitet, ihm und uns zum Segen werden," antwortete er, tiefergriffen die von Thränen verschleierten Augen seiner Gattin küssend. Er nahm Wariechen bei der Hand, küßte die reine Kinderstirn und fragte liebevoll: „Wirst Du mich auch ein wenig lieb haben, Kleine, wenn auch nicht ganz so sehr wie Deine holde Schutzgöttin?" Fest und klar blickte das Kind den ernsten Wann an. „Gewiß, Onkel," versetzte sie zutraulich, ihm die Hand reichend. Überrascht von der unverhofften Anrede des Kindes suchte sein Blick den seiner Gattin, welche ihn verstehend, lebhafter als sie sonst zu sprechen pflegte, sagte: