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Israelitischer Jugendfreund · 1897-01-01 · 23 (1897) · p. Seite 357

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitischer Jugendfreund
Volume
3 (1897)
Issue
23 (1897)
Date
1897-01-01
Page
Seite 357 (sequence 5)
Language
German
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357 Ls war mittlerweile spät geworden, sie mußte heim, ihre treue Minna würde sich schon um sie sorgen. „Und ich darf Manschen gleich mit mir nehmen?" fragte sie in ihrem weichen Ton, die seelenvollen Augen von dem kranken Manne zu der abgehärmten Frau wendend. „Gewiß, gnädige Frau," versetzte letztere, „wollen sie gütigst nur noch kurze Zeit verweilen." Auf einen leisen Wink der Mutter verschwand die zwölfjährige Schwester mit Manschen in dem anstoßenden Alkoven. Nach einiger Zeit kehrten beide Mädchen in das große Zimmer zurück; Mariechen hatte ihr Sonnabendkleidchen von abgetragene,u, fadenscheinigen blauen Stoff angelegt, der blonde Zopf erglänzte frisch geglättet, das Kopftuch hielt sie noch in der Hand. „wie hübsch Du Dich geputzt hast," lächelte die fremde Frau ihr freundlich zu. Der Kranke hatte sich, von seiner Frau unterstützt, mühsam aufgerichtet: „Segne Gott Deinen Ausgang hier, Deinen Eingang dort, mein geliebtes Kind," flüsterte er. Seine Hand berührte segnend den blonden Scheitel seines Kindes, seine bleichen Lippen preßten sich in langem heißen Kusse auf den frischen Mund, die kleine Stirn; er weiß, seine Tage sind gezählt. Auch die Fremde sagt sich, der kranke Mann hat wohl seine letzte X Freude in dieser Welt erlebt, da sie sein Haus betrat. Sie neigt sich in Anmut vor ihm, und er berührt ihr Haupt auch segnend und flüstert nur ihr ' verständlich: „Nun kann ich ruhig heimgehen, da Gott Sie meiner Frau, meinen Kindern als Schutzgeist gesandt hat." Mariechen ruhte in den Armen ihrer Mutter in langer, nicht endenwollender Umschlingung. „Mache der edlen Frau stets Freude, bleibe brav und fromm, mein geliebtes Kind," flüstern die zitternden Lippen unter Thränen und unzähligen langen Küssen. wieder drückt die Fremde wortlos die Hand der Frau Kroneck; sie fühlt mit ihr, was in den, Mutterherzen sich regt, was das Mutterherz empfindet, ihr Liebstes, ihr eigenes Kind an eine ihr noch völlig Unbekannte hinzugeben. Die größeren und kleineren Geschwister Herzen und küssen Mariechen, sie können ihre Blicke noch inuner nicht von der holden Lichtgestalt wenden, die jetzt Mariechen mit sich nehmen will. „wir kommen bald wieder, und Sonnabend holen wir Luch zur Lhanukahfeier zu uns." Mit diesen Worten beendet die Fremde den Abschied der Kinder. Freundlich sagt sie noch zu Frau Kroneck l „Lhanukahlichtchen bedeuten Marksteine in meinem Leben; bei ihrem milden Schein verlobte ich mick). Lhanukahlichtchen begrüßten den Eintritt

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