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Israelitischer Jugendfreund · 1897-01-01 · 23 (1897) · p. Seite 358

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitischer Jugendfreund
Volume
3 (1897)
Issue
23 (1897)
Date
1897-01-01
Page
Seite 358 (sequence 6)
Language
German
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— 358 — meines Kinöes in dieses Leben; daruni ist auch Thanukah mein liebstes Fest, daruni kehrt auch meiii Mann nach langer Abwesenheit morgen heim, und als Thanukahgeschenk führe ich ihn, ein liebes Pflegekind iiiorgen entgegen!" Sie schlaiig mit einer raschen, anmutigen Bewegung die wärmende Hülle uni Bkariechens blondes Haupt, schlüpfte in ihren siBlzmantel, nahni Marie an der Hand, noch einen stummen Gruß herüber und hinüber, und die Thür schloß sich hinter ihnen. Bitten winkte sie wieder einer Droschke, sie war iiiehr erregt und ergriffen, als sie sich selbst zugestehen wollte; während der Fahrt hielt sie Mariechens Haiid schweigend in der ihren. Die Droschke hielt an ihreni Heim; raschen Schrittes eilte sie mit dem Binde die Treppen hinan und schellte lauter, als es sonst ihre Art war. Die treue Minna öffnete und rief ihr entgegen: „Gott sei Dank! Ich habe mich schon uni Frau Professor geänstigt! Aber wen bringen denn Frau Professor hier mit? fragte sie, und ließ ihre verwunderten Blicke von dieser zu dem Binde, von dein Bilde z.r dieser schweifen. „Frage jetzt nicht; heize schnell das Fremdenzimmer und bestelle Thee; abends erzähl ich Dir alles! Gott sandte mir dieses kleine Mädchen, damit ich es als inein sifflegetöchtercheii aufnehme," antwortete sie, durch den hell erleuchteten Borsaal schreitend, Mariechen noch immer an der Hand und in ihr Mohnzimmer eintretend. Sie küßte Blariechen auf die Stirn und sagte; „Gott segne Deinen Gingang, liebes Bind." Mariechen glaubte sich in einen Feenpalast versetzt und betrachtete alles in stummer Bewunderung. Bei dem gemeinsamen Abendessen wußte die junge Frau in ihrer liebreichen Art das Bind zutraulich zu machen, so daß es unbefangen aß und trank und munter plauderte. Dann brachte sie es selbst zu Bette. Ärmlich, von grobem Stoffe zwar, aber von tadelloser Sauberfand sie die Unterkleider des Bindes und dachte wieder bewundernd: wie kann diese Fran Broneck für ihren Mann und ihre Binder in solcher Meise sorgen? — Sie ließ Blariechen die Hände zum Gebet falten und sprach mit ihr das Gebet, welches sie einst ihre fromme Mutter als Bind lehrte, und dann sagte sie ihr folgende Morte vor: „Lieber Gott, beschütze meine guten Eltern und Geschwister, die gute Tante, die mich jetzt zu sich genomnlen hat und lasse Öen guten Onkel gesund heimkehren," welche Mariechen gehorsam nachsprach. „Ich darf Dich Tante nennen, schöne, gute Dame?" fragte das Bind mit glücklichem Lächeln, während die schon schlaftrunkenen Augen noch eiiunal freudestrahlend aufleuchteten. „Gewiß, inein Bind, schlafe süß!" Sie küßte Mariechen herzlich, schellte, Bttnna solle bei dein Binde bleiben, bis es eingeschlafen, und dann in ihr Zimmer kommen. _____ (bchluß folgt.)

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