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Israelitischer Jugendfreund · 1897-01-01 · 23 (1897) · p. Seite 355

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitischer Jugendfreund
Volume
3 (1897)
Issue
23 (1897)
Date
1897-01-01
Page
Seite 355 (sequence 3)
Language
German
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355 ein Feuer angejfiiiöel; zurückgekehrt, traute sie ihren Augen kaum, als sie die fremde, schöne Frau so liebevoll geschäftig walten sah. „Welche Güte, welche Ehre, gnädige Frau! Sie bringen Licht und Sonnenschein in ein durch Arankheit und Sorgen verdüstertes Haus! Mo finde ich Worte des Dankes?" flüsterte sie in tiefer Bewegung. „Ich habe nur zu danken, daß Sie mich hier gewähren laffeit," giebt jene sanft zurück. „Alan nennt ntich reich, vom Geschick bevorzugt, und ich, ich bin es auch als die geliebte Gattin des edelsten, besteit Wannes, aber Sie, liebe Frau Aroneck, sind ungeachtet ihres sorgenschweren, kummervollen Herzens doch bei weitem reicher. Gott gab Ihnen fünf blühende Ainder und damit die Blunte der Hoffnung für die Zukunft; ich hatte nur eins, und dieses, meines Heizens Abgott, forderte er wieder zurück! könnten Sie, liebe Frau Aroneck, Vertrauen genug zu mir haben und mir Wariechen überlassen," fuhr sie bittend fort, während Thränen in ihre schönen Augen stiegen, „Ihr Aind soll Ihnen nicht entzogen werden, ich will es hüten, pflegen und erziehen in Liebe zu seinen Eltern, in Gottesfurcht als mein teures Pflegekind. Gott führte mir das Aind in den Weg, es gewann mein Herz auf den ersten Blick, es war ein Fingerzeig von ihm, mir, Ihnen wohl zu thun! Ich weiß, mein Wann wird meinen Entschluß gutheißen, Wariechen an unser Haus, an mein Herz zu fesseln." Wariechen hatte sich dicht an die Frau Professor geschmiegt und ihre feine Hand erfaßt; der kranke Wann, die abgehärmte Frau sind zu Thränen gerührt; es war nicht Zufull, es war Gottes Fügung, daß Wariechen auf einsamer Wanderung diesen Engel in Wenschengestalt fand. Welche Wilde, welche Holdseligkeit, welche Bescheidenheit! Die edle Frau bemüht sich, ihnen klar zu machen, daß sie es als eine Gunst von ihnen erbittet, ihr Aind erziehen zu dürfen, nicht als die Gebende, als die Empfangende will sie ihnen erscheinen. Und dennoch! Die armen Eltern können sich nicht leicht entschließen, sich von ihrem geliebten Ainde zu trennen; ein jedes ihrer Ainder ist ein Stück Leben ihres eigenen Lebens, zu eng mit ihnen verwachsen! Aber die edelsinnige Frau darbt inmitten ihres Reichtums, ihres Glückes als Gattin eines berühmten, hochherzigen Wannes an den köstlichsten Erdenfreuden eines Wenschen-, eines Frauenherzens, sie besitzt kein Aind! Es wäre grausam, ihr die erbetene Gunst zu versagen, ihr von dem größeren Reichlume vorzuenthalten! Und wie sagte doch die holde Frau? „Ihr Aind soll Ihnen nicht entzogen werden, in Liebe zu seinen Eltern will ich es erziehen." Diese sieht und ehrt den Aampf, den die Eltern, ohne Worte einander verstehend, kämpfen. Gespannt blickt sie von dem kranken Wanne zu der abgehärmten Frau, ersterer winkt der Frau Professor mit bittender Geberde, näher an sein Bett zu kommen.

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