Israelitischer Jugendfreund
- Journal
- Israelitischer Jugendfreund
- Volume
- 3 (1897)
- Issue
- 22 (1897)
- Date
- 1897-01-01
- Page
- Seite 341 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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341 So jubelte das sonst ruhige Mädchen, und die ganze Familie nahm an ihrer Freude lebhaften Anteil. Inzwischen hatte Elsa ein zierliches Kistchen mit allerlei hübschen und nützlichen Geschenken gepackt. Zuerst zwei Bücher für junge Mädchen, dann eine Schachtel mit Kakao und Schokoladen und zuletzt eine Schachtel mit einem schönen gestickten Kragen und vielen bunten Bändern, Schleifen und Büschen, so recht geeignet, junge Mädchen zu erfreuen. Dies Kästchen brachte Elsa dem Herrn, der die Lotterie leitete, und bat ihn, diesen Gewinn auf Bo. 545, das war Elaras Nummer, fallen zu lassen. Der freundliche Herr war gern dazu bereit. Endlich war der langersehnte Mittwoch herangekommen, Elara und Grete, — die' ganze Familie, sogar Annchen, hatten sich dafür entschieden, daß Grete mitgehen solle, — hatten ihren besten Staat angelegt; trotz des Winters bestand dieser freilich nur aus dünnen, schon recht verwaschenen Kattunfähnchen, welche die Mutter jedoch sauber und nett hergerichtet hatte Schon Um^e vor Beginn der Aufführung saßen die beiden Schwestern auf ihren Plätzen und blickten erwartungsvoll auf den dunklen Vorhang, der all die Herrlichkeiten verbarg. Als nun eine sanfte, von unsichtbaren Ehören ausgeführte Musik ertönte und man beim Aufgehen des Vorhanges den Erzvater Abraham nnt feinem Sohne inmitten einer fremdartigen Landschaft erblickte, war ihr Entzücken unbeschreiblich, und jedes folgende Bild steigerte noch ihre Begeisterung. Voll Andacht lauschten sie den herrlichen Gesängen und dem meisterlsaften Vortrage des Künstlers, der den erläuternden Text sprach, weihevolle Stinnnung kam über sie, sie glaubten sich in die ferne, ferne Zeit der Patriarchen versetz!; sie zogen mit Kloses und Iosua in das gelobte Land, beklagten mit den Jungfrauen Israels den frühen Tod der Tochter Iephtas, jubelten den heldenthaten der Könige zu und mit dem ganzen Volke bei der Einweihung des Tempels. Als sich der Vorhang zum letzten Male gesenkt hatte, saß Tiara wie festgebannt ans ihrem Platze, sie konnte sich kaum wieder in die Wirklichkeit zurücksinden. Erst als ihre Machbarn aufstanden und den Ansgängen zueilten, kam sie wieder vollständig zu sich. Sie ging nnt ihrer Schwester zum Glücksrad, zeigte schüchtern ihre Nummer vor nnd — nahm glückstrahlend das hübsche Kistchen in Empfang. Etwas abseits stand ebcufo glückstrahlend — Elsa Kohn; sie sah, wie die Schwestern sich freuten, und das Bewußtsein, ihnen diese frohen Stunden bereitet zu haben, erfüllte das junge Mädchen mit unbeschreiblichem Glücksgefühl. Nur die Furcht, sich zu verraten, hielt sie zurück, sonst hätte sie ihre Mitschülerin umarmt und ihr aus tiefstem Herzen gedankt, daß sie ihr durch ihre rührende Selbstlosigkeit (der Großmutter gegenüber), das Beispiel gegeben hat, wie man sich eine wirkliche, ja die größte Freude bereiten könne,