Israelitischer Jugendfreund
- Journal
- Israelitischer Jugendfreund
- Volume
- 3 (1897)
- Issue
- 22 (1897)
- Date
- 1897-01-01
- Page
- Seite 339 (sequence 3)
- Language
- German
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Zur ewigen Ruhestätte eines verblichenen Freundes bestimiut ist, um ihm eine Thräne Zu weihen? Liebe Rinder, da giebt es, namentlich in größeren Städten, — und wenn ihr die Angen offen haltet, könnt ihr es selbst sehen — gar viele Leute ohne Stellung und Beschäftigung. Die allermeisten unter ihnen wollen arbeiten und durch redliche Arbeit ihr Brot verdienen. Jfyr Innerstes sträubt sich dagegen, daß ste müßig gehen oder gar der drückendsten Rot gehorchend, durch unwürdiges Betteln ihr Leben fristen. Lolchen muß geholfen werden, und wiederum ist es die „Gemilus chessed", die Hutes stiften kann. Die moderne Hinrichtung des Arbeitsnachweises, die hentZntage schon in allen größeren Städten vorhanden ist, vermag vielfach nicht so segensreich zu wirken wie die persönlichen Bemühungen eines Einzelnen, der sein Bestes thnt, um einem jener Unglücklichen eine Arbeitsstelle Zu verschaffen. Leider giebt es so viele, die, bald ans Alangel an Alitgefühl, bald ans Begnemlichkeit ihren persönlichen Einfluß im Interesse Stellungsloser nicht geltend machen wollen. „Wien allen weiset den weg, den sie gehen sollen!" ruft uns die heilige Schrift Zn, und saget ihnen, welch herrlicher Lohn jedem Zuteil wird, der den gewiesenen weg gegangen und ans Ziel gelangt ist. Aicht der Dank der geretteten Alenfchenseele ist es. Der wohlthäter trägt den Lohn in sich selbst. Cs ist das beglückende Bewußtsein, daß er einen Alenschen glücklich gemacht hat. W das nicht wahrer Hotteslohn. — „Lohn, der reichlich lohnet?" Gemilus chessed besteht schließlich auch darin, daß man Zwischen Feinden Frieden stiftet. „Scholaum alechem" Friede mit Euch) lautete der Hrnß der alten Hebräer, lind „Geh in Frieden" war der Scheidegrnß an den Stepbenden. Ebenso schließt jener erhabene Priestersegen, das Jeworechcho der Israeliten, mit dem Worte „Friede". W derThat ist der Hohepriester Aaron das wahre Vorbild ciins Fnedenstifters. von ihn: heißt es, daß „er den Frieden liebte und ihm nachging." Sah er Zwei Israeliten mit einander verfeindet, so ging er Zunächst zu dem einen und sagte Zn ihm: „Siehe, mein Freund, dein Bruder, ans den du erzürnt bist, wünscht sich mit dir Zn versöhnen." Dann brachte er dieselbe Botschaft dem anderen, und so gelang ihm die Versöhnung. Das Leben, liebe Rinder, ist Zn knrZ, mn es in Streit und Fehde hinZnbringen. Der Friede ist das köstlichste und nützlichste Gut, das dem Irdischen Zuteil werden kann, denn ohne den Frieden kann keine Arbeit die erwarteten Früchte tragen. Darum ist das Wort des Psalmisten: „wie herrlich ist es, daß Brüder einträchtig bei einander wohnen" eine ernste Alabnung für alle, die Zn Zank und Streit neigen oder durch übergroße Empfindlichkeit fick hinreihen lasten, Zwietracht und Unfrieden Zu stiften. Ans dem Gesagten werdet ihr, liebe Kinder, die hohe Bedeutung von „Zedokoh" und „Gemilus chessed" wohl erkannt haben, (vb jung oder alt, übet diese Engenden ans freien: Antrieb, mit willigem, freudigem Herzen; dann erfüllt ihr die Pflicht aller Pflichten, die die Alenfchen gegen einander Zn erfüllen haben: „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst" Dr. D. E.