Mannheim
Compact Memory

Israelitischer Jugendfreund · 1897-01-01 · 22 (1897) · p. Seite 338

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitischer Jugendfreund
Volume
3 (1897)
Issue
22 (1897)
Date
1897-01-01
Page
Seite 338 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
91% known words query
IRI
…/9620171-9626621-9622029--0799-9622031
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Jn ganz anderer weise äußert sich „Oemilus Gkesseä"; sie steht weit höher als die Zedokoh. während diese Tugend nur eine Steuer au Geld oder Geldeswert beansprucht, verlangt jene unsere persönliche Sorge, unser persönliches Interesse, unsere persönlichen Bemühungen. 3\\ das Bereich der als Gemilus cbessed bezeichneten Tugend fallen gar mancherlei Dienstleistungen, die zum Besten der Mitmenschen geschehen. So empfiehlt Z. B. die Bibel, kranke Zu besuchen. 2Ma\\ nennt diesen schönen jüdischen Brauch „Bikkur cholim". Die Stelle in der heiligen Schrift: „Sage ihnen den weg, den sie gehen sollen" bezieht sich nach der Meinung unserer weisen ans den Krankenbesuch. Als König hiskijah schwer krank danieder lag, mahnte die göttliche Stimme den Propheten stesajah, den leidenden König Zn besuchen, freilich darf man in solcher Hinsicht nicht Zuviel des Guten thun. Blau wird sich diese Alizwah sogar versagen müssen, wenn von Seiten des Arztes inöglichste Buhe und Schonung des Patienten angeordnet ist, und statt öeffen durch' öftere Rachfrage sich nach dem Befinden des Kranken erkundigen. Gin weiterer Fall von „Gemilus chessed" ist die freiwillige unentgelöliche Erziehung einer Waise, wie herrlich ist es, ineine hieben, weiiii ein Familienvater ein verlassenes Kind unter seine schützende Obhut nimmt, es seinen eigenen Kinöerii als Spielgefährten Znführt niid es mit ihnen erZieht und erziehen läßt. Zwar giebt es WaisenHäuser, in denen verwaiste Knaben und Mädchen verpflegt werdeii und die notwendige Ansbildniig erhalteii. Aber was ist diese Masseuerziehnng gegeii einen jahrelangen Anfeiithalt in einem Hanse, wo ein liebevoller Dater 11116 eine sorgsame Mutter sich anfopfern in der Pflege 11116 Ausbildung der vnmündigen. wer wird sich da nicht errinnern des frommen, verehrnngswürdigen Mordechai, der eine verwandte, die auch bekannte Esther, ins Haus nahm und ihr auch dann seine väterliche Treue bewah'te, als sie im Glanze einer Königin erstrahlte? Die „Halwajas hammess" ist ebenfalls eine Art „Gemilus cüessed". Sie ist die Pflicht, dem Toten die letzte Ehre zu geben, ihn ZN seinem Bl heorte zu begleiten. Alan hat dies ehemals für eine der uneigennützigsten Mizwahs gehalten, da ja der Tote für die ihm erwiesene Ehre keine Vergeltung üben kann. Alan wird gewiß nicht bei allen Begräbnissen in der Gemeinde zugegen sein können oder wollen. Folget in solchen Fällen stets dem Antriebe eures Herzens; die jedesmalige Stimmung, von der es beherrscht wird, ist die beste Ratgeberin. ste näher wir einem verstorbenen im heben gestanden haben, desto inniger wird der Ausdruck unseres Beileids für die Hinterbliebenen sein und um so mächtiger und natürlicher das Gstühl der Verpflichtung, dem reicbeii- Zuge Zu folgen, wen sollte es auch nicht treiben an das frische Grab, das

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.