Israelitischer Jugendfreund
- Journal
- Israelitischer Jugendfreund
- Volume
- 3 (1897)
- Issue
- 21 (1897)
- Date
- 1897-01-01
- Page
- Seite 334 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/9620171-9626621-9622012--0794-9622026- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
334 Beherzt trat er hinzu, betrachtete das Loch, worin der Schlüssel stach, genauer, und ward gewahr, daß es ein rechtes Schlüsselloch sei. IftU einem festen Griff drehte er den Schlüssel um. In demselben Augenblicke that sich knarrend und äckzend ein weites Thor auf. Der Schäfer blickte durch einen gewölbten Gang in einen weiten Hof hinein; zu seinen Füßen aber lag wieder die Schlange und stieg zischend in die höhe, als wollte sie ihm den Eintritt wehren. Voll Schrecken schlug er sie mit seinem Stocke zu Boden, und siehe — sie ward zu einem graubärtigen B7ann. Dieser dankte dem Schäfer, weil er ihn — den Thorwächter — erlöset und wieder ins Bcenschenleben zurückgerufen hätte; er erzählte, wie er vor undenklichen Zeiten zu einer Schlange geworden und wie derjenige einen großen Schatz heben werde, der beim Abendläuten den Stein wieder auf die frühere Stelle wälzen wälzen würde, weil seit der Verzauberung des Schlosses gerade heute abernrals hundert Jahre vergangen seien; so aber einer sich im Schlosse aufhalte, müsse er trachten noch herauszukommen, bevor der letzte Glockenton verhallt; versäwne er dies, so könne er nimmer heraus. Als nun der Schäfer den Hof betrat, ward es darin lebendig: große Steine sprangen als Hunde auf; ^Nägde und Anechte schritten über den Hof; der Graf und die Gräfin und eine große Gesellschaft saßen im Saale bei einer reichbesetzten Tafel. Sie rieben sich die Augen, als wären sie just vom Schlafe erwacht und schauten den eintretenden Schäfer verwundert an. Diener gingen geschäftig hin und her. Der Graf aber winkte dem Schäfer freundlich zu, und lud ihn ein, an der Tafel jAatz zu nehmen. Seltene Speisen und kostbarer U)ein wurden ihm vorgesetzt. Er aß und trank nach Herzenslust und vergaß darüber die IDarnung des Pförtners. Endlich, als er Abschied nahm und den Saal verlassen wollte, fand er die rechte Thür nicht; schon hörte er das Abendläuten — schon stand er im b)ofe: da war der letzte Ton verklungen! Arachend schloß sich das Thor; alles Lebende wurde wieder in den vorigen Zustand verwandelt, und der Schäfer, der sich vor Entsetzen auf eine steinerne Stufe niederließ, verfiel in einen tiefen Schlaf und muß nun hundert Jahr warten, bis einer kommt, der ihn wieder erlöset. — Unsere Preisaufgabe. Eure Ereisarbeiten sind dieses Mal hinter den Erwartungen zurückgeblieben. Die Beteiligung seitens unserer Leser war nicht so gross, wie bei früherer Gelegenheit, ' und die Arbeiten sind im allgemeinen auch nicht so gut ausgefallen, wie wir es gewünscht und erwartet haben. Ob die gestellte Aufgabe zu schwer war? — Wir glauben, dass jeder Schüler und jede Schülerin sich mit Gedanken an die Zukunft