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Israelitischer Jugendfreund · 1897-01-01 · 21 (1897) · p. Seite 333

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitischer Jugendfreund
Volume
3 (1897)
Issue
21 (1897)
Date
1897-01-01
Page
Seite 333 (sequence 13)
Language
German
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333 aber über Öen Stein rannten zwei große IDaffertropfen wie zwei Thränen herab, und in öem Bächlein ftunö das IDaffer eine Weile still: fein XNurmeln war verstummt; auch die Vögel öes XDalöes schwiegen; an Baum und Strauch rührte sich kein Blatt; es trat eine unheimliche Stille ein. Die Gräfin fühlte ein inneres Grauen, der Graf aber höhnte nur. Beim Xilange der Abendglocke ritt die Jagdgesellschaft in den Schloßhof ein, und ehe der letzte Ton verhallt war, faßen alle im Saale beim fröhlichen Gelage. Zur selben Zeit aber stieg in der Waldeinsamkeit die Fee zur Quelle nieder; doch diesmal nicht in jugendlicher Gestalt, sondern als uraltes XlXütterchen Ungesäumt schlug sie, auf einen buchenen Stab gestützt, den Weg gegen das Schloß ein. Als sie dort ankam, stand der Thorwächter eben im Begriff, das Thor zu schließen. Das XXlütterchen berührte ihn mit dem Stabe: da ward er zu einer Schlange, die sich, den schweren eisernen Schlüssel im XNaul, unter das nahe Gesträuch verkroch. Zm Schloßhof sprangen dem- XNütterchen große Xchmde entgegen: sie bannte sie und verwandelte sie in Steine. Sodann berührte sie mit ihrem Stabe das Schloß; es ward ein hochragender Felsen, und alles Lebende darin nahm Tiergestalt an: Der Graf verbarg sich als giftiger Skorpion unter Gestein; die Gräfin saß da aus feuchtem Erdreich als große Kröte mit glotzenden Augen; der Turmwächter huschte als Uhu in ein finsteres Felsenloch; Ucägde und Unechte wurden zu Ukolchen, Spinnen und summenden Fliegen. Da dies alles geschehen war, that das XNütterchen den Ausspruch: der Zauber möge alle hundert Jahre einmal weichen; die Verzauberten werden ihre vormalige Gestalt wieder annehmen und sich ihres früheren Daseins erinnern —: verschwand dann und wurde nie mehr gesehen.- hundert Jahre waren seither verstossen. Es war ein warmer, schöner Tag, als ein Schäfer feine X)eröe unter dem Borzen weidete. Sinnend betrachtete er die schroffen, zerrissenen Felswände. Da zog ein ungewöhnlich großer schwarzer Uäfer seine Ausinerksamkeit aus sich; derselbe kam aus einer Felsenspalte hervor, um alsbald unter einen Steinblock zu verschwinden. Der Schäfer versuchte, von Neugierde getrieben, den Block von der Stelle zu rücken, und nachdem er ihn glücklich in die höhe gebracht und auf den Bücken geworfen hatte, lag zu seiner Überraschung zusammengedreht eine Schlange darunter und hielt einen Schlüssel im Xllaule. Langsam rollte sie sich und schlängelte sich hin durch Gesträuch und Gerölle. Der Schäfer folgte ihr. Die Schlange nahm ihren Weg gegen die Felsen und gelangte endlich in eine düstere Xiluft. hier hob sie den Xiopf und steckte den Schlüssel in eine Öffnung der Felswand. Während der Schäfervoll Erstaunen diesem Vorgänge zusah, war die Schlange vor seinen Augen verschwunden, ohne daß er bemerkt hätte, wohin sie gekommen.

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