Mannheim
Compact Memory

Israelitischer Jugendfreund · 1897-01-01 · 21 (1897) · p. Seite 331

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitischer Jugendfreund
Volume
3 (1897)
Issue
21 (1897)
Date
1897-01-01
Page
Seite 331 (sequence 11)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/9620171-9626621-9622012--0791-9622023
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

v — 331 — Zur Rettung eines in Lebensgefahr schwebenden Tieres durfte selbst am 5abbath manche Vorkehrungen getroffen werden, die das Gebot der Sabbathruhe sonst nicht gestaltete. Sinnend, erzählt uns die Sage, faß einst INofes gestützt aus seinen Hirtenstab, den einst der Urahn Adam bei seinem Scheiden aus dein Paradiese von einem Baume gebrochen als Erinnerungszeichen an ein hingeschwundenes paradiesisches Leben, und überschaute die Herde des Iethro, die er da weidete in der U)üste. plötzlich erhob sich ein Länunchen aus der Herde und eilte schnellen Laufes davon. Erstaunt und ängstlich setzte der Hirt dein Flüchtling nach, vermochte es aber nicht eher zu erreichen, bis es an eine (Quelle gekommen ist, aus dessen klaren! Wasserspiegel es seinen brennenden Du'-st löschte und von seiner Ermattung sich erholte. „Armes Tierchen," rief woses, „wußte, ich doch nicht, daß quälender Durst dich getrieben, die Herde zu verlassen und den! Hirten zu entrinnen! wie bist du doch so nu'ide!" Alsogleich ergriff er das Länunchen, drückte es ans Herz und trug es liebkosend zur Herde zurück. Und wie er so ging, vernahm er eine hinunlische Stinnne, die sprach: „Ulose! Rlose! Du hast mit Liebe des verirrten dich angenonnnen, in deinem Herzen wohnt Uutleid, du bist ein treuer Hirt, du sollst eine andere Herde weiden, du sollst mein Hirt sein, mein Volk Israel weiden." Und wieder erzählt die Sage: Als einst ein Kalb zur Schlachtbank geführt ward, habe dasselbe sich zwn Rabbi Juda, der vor der Thür gesessen, geflüchtet, den Kops in dessen Schoß gelegt und bitterlich geweint. Rabbi Juda aber, kein witleid fühlend, sprach: Geh hin, denn dazu bist du geschaffen. Da habe sich eine Stinnne vom Hinunel vernehmen lassen, die da sprach: weil er so unbarmherzig war, soll er mit Krankheit behaftet werden. Dreizehn Jahre lang lag hieraus R. Juda in schweren Leiden darnieder. Als aber nach diesen dreizehn Jahren seine Wagd das Haus gekehrt, da habe sie ein Nest mit wieseln gefunden und mit auskehren wollen. Da habe ihr Rabbi Juda zugerufen: Schone ihrer! denn es steht geschrieben: der Herr erbarmt sich aller seiner Werke, plötzlich sei nun wieder die Himmelsstimme ertönt: weil er mitleidig ist, so soll es ihm wohl ergehen! Zum Schluffe noch eine ähnliche Sage, die uns Herodot (I. 159) aufbewahrt hat. Als ein gewisser Aristodikus die in dem Tempel zu Kimm befindlichen Vogelnester zerstörte und die Jungen herausnahm, soll aus dem Innern des Tempels eine Stimme die Worte gesprochen haben: verruchtester der wenschen, wie kannst du solches wagen, die.' Zuflucht bei mir suchen, aus dem Tempel zu vertreiben? E.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.