Israelitischer Jugendfreund
- Journal
- Israelitischer Jugendfreund
- Volume
- 3 (1897)
- Issue
- 20 (1897)
- Date
- 1897-01-01
- Page
- Seite 307 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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— 307 — das letzte Wort der Sterbenden war nur heilig. Sobald es meine Verhältnisse gestatteten, wollte ich mein Wort einlösen. — — wich nötigt mein Hausierhandel, von Ort zu Ort zu ziehen, so daß ich keinen festen Wohnsitz haben kann, während der ersten wonate meiner Wanderung warst Du, lieber Albert, mein steter Begleiter. Bald sah ich die Unmöglichkeit ein, Dich fernerhin mitzunehmen. Ich fand in Z. einen Nachbar bereit, Dich aufzunehmen, und ich erklärte ihm, Du seiest mein Sohn und heißest „Albert Hochfeld." Ich versprach auch, ihn nach Kräften schadlos zu halten." — Der folgende Teil des Inhalts schien einige Zeit später niedergeschrieben zu sein, was aus den sehr unsicheren Schriftzügen zu erkennen war. Nach kurzen: Nachsinnen durchlas Hochfeld die folgenden Schlußzeilen: „Ich nmßte für kurze Zrit meine Wanderung unterbrechen, denn Gott hat mir inzwischen ein herziges Töchterchen geschenkt, ein liebes, süßes Rind. O, möchte der Herr mich stärken und kräftigen, damit ich ihm mein Sorgen widmen kann; möchte er mich erhalten, damit es nicht ebenso allzu früh verwaist werde, wie Du es bist, mein lieber Albert! Und sollte es der Herr in seinem Ratschlüsse dennoch beschlossen haben, nnch vorzeitig von dannen zu rufen, o, so wird Gr sich seiner annehmen, das ist meine Zuversicht, denn Gr ist ja stets ein Vater der Waisen. Und wenn die göttliche Schickung es will, daß Gure Wege sich berühren, o, so sei Du, lieber Albert, meinen: Rinde zur Seite, sei ihn:, wenn nötig, eine Stütze und bringe ihn: eine treue Bruderliebe entgegen!" —- „Heute bin ich in O. angelangt, nn: inorgen nach S. zu wandern, und Deine verwandten aufznsuchen. Seit mehreren Tagen ängstigen mich schwere Trämne, die nnch nur Unheil ahnen lassen. Ich danke den: Herrn des Hinnnels, daß er inich bis hierher geleitet hat. Noch wenige weilen, und ich stehe an: Ziele n:einer Wanderung. — Ich schließe mit den: freudigen Bewußtsein, Dir gegenüber n:eine Pflicht erfüllt zu haben. wöge Gott nnch schützen und Dir seinen Segen verleih::!!" Hochfeld war mit den: Lesen des Schriftstückes zu Gnde. Lange saß er noch in tiefes Nacbdenken versunken da. So war denn das, was er vermutet, Wahrheit; geheimnisvolle Beziehungen bestanden allerdings zwischen ihn: und Alina — sie war aber nicht seine Schwester. Diese Thatsache, die wiederun: ganz andere Verhältnisse schuf, beunruhigte ihn keineswegs. Die Schwester war ihm verloren, dafür aber war ihn: die treue Freundin geblieben, deren Zuneigung einer Schwesterliebe keineswegs nachstand. Gs war nun aber auch nicht die wöglichkeit ausgeschlossen, daß seine Beziehungen zu Alma noch inniger werden konnten! — Hochfeld erhob sich. # * *