Israelitischer Jugendfreund
- Journal
- Israelitischer Jugendfreund
- Volume
- 3 (1897)
- Issue
- 20 (1897)
- Date
- 1897-01-01
- Page
- Seite 306 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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306 meisten. Denn während der Zufriedene vergnügt ist und sich freut, wenn andere auch etwas haben, ist der Neidische immer in Sorge und Aufregung; jeder Gewinn, jeder Vorteil, jedes Glück und jede Freude, die einem anderen widerfahren, ärgern ihn, weil er sie ihnen nicht gönnt, und er ist ärgerlich, daß sie nicht ihm selbst widerfahren, weil er neidisch und mißgünstig ist, und so ist er mißgestimmt und aufgeregt und hat keine rechte Freude, und das schadet keinem anderen als ihm selbst. Vnd wird eiu anderer geehrt, gelobt oder berühmt, so ist er ganz unglücklich vor Neid und sucht ihn nun Zu verleumden und Lügen über ihn Zu verbreiten, damit er seinen Ruhm, seine Ehre und sein Lob wieder verliere. So wird aus einem neidischen Menschen leicht ein Dieb oder ein Verleumder; eins so abscheulich wie das andere. Aber der Neidische hat, wie schon vorhin gesagt, keine Freude am Leben denn er lebt inuner in Aufregung und Sorge, in Ärger und Verdruß; alles Gute und Angenehme, das anderen widerfährt, ärgert ihn, und so lebt er ein unruhiges und elendes Leben und kann nicht gedeihen. Sehr richtig heißt es deshalb in den Sprüchen Sal. 14,30: „Gin ruhiges Geinüt erhält den Leib, Neid ist wie ein Zehrender Knochenfraß." Und der Galmud sagt: „Das neidische Auge, die böse Begierde und der Menschenhatz sind das verderben des Menschen." Darum, metiie Lieben, seid immer Zufrieden init dem, was ihr habt, und beneidet nicht andere Leute, wollt ihr aber mehr oder etwas ebenso Schönes, wie andere, oder wollt ihr es ebenso gut haben, wie sie, so bemühet, euch redlich, dann wird es euch gelingen, daß ihr auch daZu kommt. Aber Neid und Mißgunst lasset nie in euer herZ hinein, denn die schlimmsten Laster entstehen aus dem Neid. In des Königs Rock. Erzählung von I. herzberg. Verfasser der preisgekrönten Erzählung „David und Jonathan." (Nachdruck verboten). (S-chlnß.) (Alle Rechte Vorbehalten.) Nach einer kurzen jOause las Hochfeld das Schriftstück weiter: . „Ich will es unterlassen, all den Jammer um mich her zu beschreiben, wieder stand ich verlassen da, meiner Obhut anvertraut war das hülflose, unschuldige Knäblein. Du wirst schon längst erraten haben, lieber Albert, daß Du diese unglückliche Waise gewesen bist. In dein Nachlasse Deiner Mutter fand ich außer einigen Kleidungsstücken zwei alte, dicke Gebetbücher. Den Ring, den sie trug, hatte ich an mich genommen. In ihrer letzten Stunde bat mich Deine Mutter flehentlich, ich solle mich Deiner annehmen, solle dafür Sorge tragen, daß Du in das Haus Deiner verwandten gelangest, damit Dn versorgt werdest. Ich gelobte Deiner Mutter, ihre Bitte zu erfüllen,