Israelitischer Jugendfreund
- Journal
- Israelitischer Jugendfreund
- Volume
- 3 (1897)
- Issue
- 19 (1897)
- Date
- 1897-01-01
- Page
- Seite 301 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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sei es öas München oder das Weibchen, so klagt sich das Zweite Zu Tode und stirbt bald hin. Das Fischerdorf auf dieser wüsten Düneninsel ist sehr eigentümlich. Die starkgemauerten, einstöckigen Häuser ans Backsteinen sind alle so gleichmäßig und wie nach Kommando anfgeführt, als hätte nicht das Bedürfnis der Bewohner, sondern die Spekulation einer Gesellschaft dieses Dorf gleichzeitig hergestellt, verfallene Hütten sind so wenig auZutreffen, wie größeren Wohlstand verratende Gebäude, Klan wohnt hier holländisch reinlich und in einer von aller Welt geschiedenen Stille, die nur vom Sturm, der die Dünen peitscht, unterbrochen wird. Um nicht im Sande Zu versinken, führen gepflasterte Wege von Klauersteinen von Haus Zu Haus durch die Zeilen der Straßen; auf die Klanen höhe, von der man die südwestliche überschaut, führt ein mit Austerschalen gepflasterter Weg. Die Stille im Dorfe, da die Fischer meist auf der See sind oder am Ufer müßig herumlungern, befällt uns fast wie eine Klenschenööe, und nur wenn die Gesellschaft der hier Zur Badekur versammelten Fremden aus dem Bade zurückkehrt, die Damen mit feuchten, flatternden Haaren, bevölkern sich die Gassen wie mit Rirengestalten. die dem Aeptun entlaufen sind. Sauber, aber nüchtern stehen die Häuser da, als freuten sie sich, den Stürmen nicht erlegen Zu sein. Kein Vogel läßt sich hier hören, kein Insekt schwirrt umher; ein scharfer, frischer wind hält alles rein und trocken. Henriette Herz. Zu ihrem fünfzigsten Todestage, den 22. Oktober 1897. Für die reifere Jugend. Von Regina Neisser. In dem berühmten Epiloge zu Schillers „Glocke" ruft Goethe seinem allzufrüh heimgegangenen Freunde Schiller nach: „Denn er war unser! Mag das stolze Wort Den lauten Soliroerz gewaltsam übertönen." Wenn wir an das Dreigestirn edler Frauen denken, welche vor hundert Jahren als Jüdinnen berufen waren, den Mittelpunkt des regen geistigen Lebens des damaligen Berlin zu bilden, so ist der Gedanke „sie waren unser!“ nur geeignet, unsern Schmerz zu vermehren, dass diese drei an Geist und Gemüt gleich hervorragenden Frauen, Dorothea Veit, Henriette Herz geb. Mendelssohn, und Rahel Levin ihren angestammten Glauben verlassen konnten. Einigermassen versöhnend wirkt der Gedanke, dass sie alle, ungeachtet ihres Abfalles vom Judentume bis zu ihrem Lebensende ihr „jüdisches Herz" bethätigten. Am 22. Oktober sind fünfzig Jahre verflossen, dass die einst wegeh ihrer eigentümlichen stolzen Schönheit, ihrer hohen Geistesgaben, ihrer unge-