Israelitischer Jugendfreund
- Journal
- Israelitischer Jugendfreund
- Volume
- 3 (1897)
- Issue
- 19 (1897)
- Date
- 1897-01-01
- Page
- Seite 300 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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300 Die fünf Bücher der Psalmen, Thillim, mit den söO Einzeldichtungen wurden abwechselnd und Bers um Vers vorgetragen. Jeden Teil las ein anderer; wer es verstand und es beliebte, konnte das Almemor, die Estrade in der Butte, besteigen und vortragen. Dem Thillimsagen folgte dann das Buncha- oder Bespergebet. hierauf begab sich jeder zu einem Bache oder Flusse zum Tafchlichmachen Eine lange Prozession festtäglich gekleideter Männer und Weiber bewegte sich frei und zwanglos gruppiert, durch das Städtchen nach dem Mühlbache. Da wurde ein kurzes Bußgebet, aus Prophetenstellen zusammengesetzt, leise und einzeln verrichtet. Biele warfen dabei auch Brosamen aus den Taschen in's Wasser. Weil der Grundgedanke der vorgetragenen Bitte in dem Satz ruht: „Mögest Du, o Gott, unsere Bergehungen in die Meeresfluten werfen", und Werfen im Texte „Tafchlich^ heißt, erhielt der Besuch des Wassers den Ausdruck „TaschlichmachtmR Wasser galt schon in der ältesten Zeit als Symbol der Reinheit und Buße wie des Erdenlebens Nichtigkeit und Flüchtigkeit. Norderney, eine Düneninsel. Ju fünf stunden nmwandert 111211 das ganze vom Flugsand angeschwemmte Eiland. Durstiger PslanZenwuchs. besonders die blaurot blühende Erica (Heide) bedeckt die spärlich grünenden Hügel; au den moorichten Stellen wagt sich wohl auch die Zarte, duftende p^rola, die seine weihe Parnassia hervor; die kleine Dünenrose wächst spannenhoch, hier und da sind auch Gartenanlagen versucht; ein Lrlengebüsch krüppelt sich hin, wird aber für seine Keckheit, einige Ellen hinausZuragen, scharf bestraft; der schneidende Windstrich fährt darüber hin, und die obersten Zweige ragen dürr, wie winterliche Ruten, in die Lust hinaus. An der Küste sind die Hügel mit Seegras besät, das seine sparsamen Halme lang hinstreckt. An der äuhersten Spitze der Jufel liegt die weihe Düne ganz kahl und trägt aus ihrem Rücken in weiten Wellenlinien die Spuren der winterlichen Sturm- und Springfluten. (Jd) hatte mich, wie ein Kamel durch die nasse Wüste watend, bis ans Ende der Jnfel hingewagt. Da es schon Zu dämmern begann, fürchtete ich, den Strand nicht mehr bis Zum Dorfe hin umkreisen Zu können, und wählte den Weg querfeldein über die Hügelreihen Zurück. Zahllose graue Kaninchen sprangen ausgescheucht aus ihren Lagern, die Seeschwalben fuhren aus ihrer Aachtruhe auf, die Möwen umkrächZten mich wie die Kraniche des D^cus, die Brandung donnerte immer leiser von fern: ich war wirklich in einer kleinen Wildnis. Der klagende Laut der Seeschwalbe macht die allertraurigste Melodie von der Welt, wie dieser Dogel überhaupt von weicher Empfindung Zu sein scheint. Er lebt nämlich nur paarweise; wird das eine geschossen,