Israelitischer Jugendfreund
- Journal
- Israelitischer Jugendfreund
- Volume
- 3 (1897)
- Issue
- 19 (1897)
- Date
- 1897-01-01
- Page
- Seite 297 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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— 297 — fallen. Gegen Abend erkrankte auch die Fremde, die bei uns weilte, eine Stunde später mein Mann. Am Mitternacht war ich abermals-eine Witwe, bas Anäblein —-ein Waise! Hochfeld hielt inne; das andauernde Lesen beinr Lampenschein hatte seine Augen angestrengt. (Schluß folgt.) wie Aosch Haschono iin Ghetto gefeiert wurde. Aach Prediger D. Löwy-wien. wie man sich zum würdigen Empfang eines hohen Gastes lange vorbereitet, so wurde auch der Monat Elul als Borbereitungs- oder als Rüstmonat für das Rosch haschono, Neujahr, betrachtet, während des ganzen Monats wurde täglich durch laut schmetternde Schofartöne, in der letzten Woche auch noch durch Selichoth, Bußgebete, vor dem Morgengrauen angekündigt, daß der hohe gottgesandte Gast nun bald ankommen werde. Endlich ist es da, das langersehnte Fest. Heller Lichterglanz in den Synagogen und Wohnhäusern erstrahlte zu seinem Empfange. Die erste Bitte, die an der Schwelle bei der Begrüßung an den Ankömmling gerichtet wurde, ward auch sofort erfüllt. Beim Genüsse des süßen Apfels wurde ein süßes Jahr erbeten, und wer gesund war und sich bei der Abendmahlzeit, der allerersten des neuen Jahres, den Blagen nicht überladen hatte, erfreute sich auch eines süßen Schlafes. Doch kaum graule der Morgen, beeilten sich schon Mann und Weib, zeitlich in Schul hineinzukommen. Nicht Regen, nicht wind noch Wetter konnten am Rosch haschono eine jüdische Seele von der Synagoge fern halten, Familien, die in den Orten als Juden vereinzelt wohnten, legten noch zur Nachtzeit einen weg von zwei Stunden zurück, um nur mit Tagesbeginn in Schul zu sein. Denn mit Rosch haschono waren die Iomim Nauroim, die ehrfurchtgebietenden Tage eingetreten. Der Bolksgeist nannte jeden der Tage, Jom haddin, Gerichtstag, an dem der Weltenrichter den Gang und Wandel seiner Erdenkinder prüft, beurteilt und verurteilt, über Lohn und Strafe, Tod und Leben beschließt. Mußte da nicht jedes Herz bange zwischen Furcht und Hoffnung schwanken. Ist es daher nicht erklärlich, daß sich jeder Sohn, jede Tochter Israels gedrängt fühlte, so früh als nur thunlich in Schul zu geheil, uni durch Inbruilst und Andacht Gunst und Gnade von Gott, dem Richter, zu erflehend.? Kein Erwachsener trank Kaffee; auch jedes Mädchen wartete erst das „Schofarb lasen" ab, ehe es eine leibliche Nahrwlg nahm. Da es aber damals nicht gebräuchlich war, daß unverheiratete Mädchen in Schul gingen, sie auch nicht jAatz gesunden hätten, sammelten sich diese am Eingänge der