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Israelitischer Jugendfreund · 1897-01-01 · 19 (1897) · p. Seite 296

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitischer Jugendfreund
Volume
3 (1897)
Issue
19 (1897)
Date
1897-01-01
Page
Seite 296 (sequence 8)
Language
German
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296 und ohne sorgsame pflege! Eltern Entschluß war bald gefaßt. Ich eilte an das Schmerzenslager des Schwerverwundeten, und es wurde mir gestattet, selbst seine Wartung und Pflege in die Hand zu nehmen. Bange, schwere Wochen verbrachte ich am Lager Wangolds, bis er endlich seine völlige Genesung erlangt hatte. Fast ein ganzes Jahr war darüber hingeflossen. Weine Wittel waren im Lause der Zeit gering geworden, und ich versuchte durch allerlei Unternehmungen nur das, was zu unserer Erhaltung erforderlich war, zu beschaffen, wangold gründete sich ein Fruchtgeschäft, und nach einiger Zeit fand in aller Stille unsere Vermählung statt. Ich war glücklich. Doch sollte dies Glück nicht von langer Dauer sein. Nach eurem Jahre glücklicher Ehe war mein warm wieder leidend geworden. Es war an einem Freitag Abend. Wein Wann, der außer stände war, das Gotteshaus aufzusuchen, saß arn sabbathlich gedeckten Tisch, um im Gebete den Sabbath zu begrüßen, und ich war im Begriff, das weihegebet über die Sabbathlichter zu sprechen, als ein ärnrlich, aber reinlich gekleidetes Weib mit einem Knäblein auf dem Arme bei uns eintrat. Die Frau bat, ihr für den Sabbath Speifc und Trank zu gewähren; diese Bitte ward ihr gern gewährt. Sie erzählte uns, sie sei vor etwa zwei Wonaten aus Amerika heimgekehrt. Ihr Wann sei dort gestorben, und es sei ihr in letzter Zeit dort ^ehr schlecht gegangen. Da sie nirgend habe hülfe finden können, sei sie nach Europa zurückgekehrt, um ihre Verwandten, die in einem Städtchen bei (D. wohnten, aufzusuchen. Aus meine Frage erklärte sie, ihr Verwandter sei der Kaufmann Goldstein, dessen Frau ihre Schwester sei. . Sie selbst heiße Amalie Hochfeld. Diese witteilung der Frau erregte meine ganze Teilnahme, und ich hörte mit Interesse den Schilderungen zu, die sie über das Leben im fernen Erdteile entwarf. Besonders war es das herzige Anäblein, welches sie auf dein Arme trug, das unsere Aufmerksamkeit auf sich lenkte. Ich hatte es liebgewonnen. Es war einfach gekleidet und trug an seinem halse einen gar seltsamen Ring, den ein funkelnder Edelstein zierte. Aaf mein Befragen erklärte die Wutter, dieser Ring sei ein Familienstück ihres verstorbenen Gatten. Er selbst habe auch einen solchen Ring getragen, seit dem Tode desselben trage sie ihn. Bald legten wir uns zur Ruhe, nicht ahnend, daß mit dem folgenden worgen für uns alle ein Schreckenstag an.brechen sollte. In früher worgenstunde schon stürzte ein Nachbar mit der Schreckenskunde ins Zimmer, in mehreren Häusern der Stadt sei die Tholera ausgebrochen, wir waren erstarrt, als wir diese furchtbare Unglücksbotschaft vernahmen. Die ganze Stadt befand sich in Aufruhr, überall begegnete man schreckensbleicheil Gesichtern, denn jeder fürchtete für sein Leben. Bald waren innerhalb weniger Stunden ganze Familien dieser verheerenden Seuche zum Opfer ge-

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