Israelitischer Jugendfreund
- Journal
- Israelitischer Jugendfreund
- Volume
- 3 (1897)
- Issue
- 19 (1897)
- Date
- 1897-01-01
- Page
- Seite 295 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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gelangen werde, denn zur Zeit, da ich diese Worte an Dich richte, stehe ich wohl nahe an diesem Ziele; doch der Zustand, in dem ich mich befinde, die mich übermannende Schwäche und der Wangel an Bütteln lassen mich ein baldiges Lude ahnen und drücken mir die Feder in die Hand. Mb und wann Du jemals diese Zeilen erhalten wirst, überlasse ich einergütigen Vorsehung, die ja stets so gnädig waltet. Und warum ich diese Zeilen an dich richte? Ich will Dir Runde geben von meinen! wechselvollen Lebensschicksale und Dich aufklären über Deine wahren Lebensverhältnisse. Denn wisse, lieber Albert, der Du heute, da Du im Alter von zwei Jahren stehst, wohl noch nicht die Bedeutung und Schwere dieses Umstandes zu würdigen wissen wirst: — Du bist nicht mein leiblicher Sohn! Du erstaunst? höre in kurzen Worten meine Geschichte, und im verlause derselben erfährst Du auch die Deinige. — 0, möchten meine Worte dazu beitragen, Dein Lebensglück zu fördern! Ich war die jüngste Tochter meiner seligen, guten Eltern. Ulein Vater hatte ein bedeutendes Fruchtgeschäft. Er ließ es mir an nichts fehlen und ließ mir eine sorgfältige Erziehung angedeihen. In seinein Geschäfte waren mehrere junge Leute thätig. Ulan rühmte von mir — mißdeute dieses Eigenlob nicht und rechne es mir nicht als Eitelkeit an, — ich sei eine angenehme Erscheinung. Unter den Angestellten meines Vaters hatte ich einen jungen Buchhalter lieb gewonnen. Dieser war nach dem Urteile meines Vaters ein tüchtiger und zuverlässiger junger Ulann. Julius Ulangold, so hieß der Buchhalter, hatte auch Neigung zu mir gefaßt. Unserin Wunsche, uns fürs Leben anzugehören, widersetzte sich inein Vater mit aller Strenge. Ja, als Wangold um meine Hand anhielt, wurde ihm diese nicht nur verweigert, sondern er mußte sofort meines Vaters Haus verlassen. Als später die Vermögensverhältnisse meines Vaters sich verschlechterten und der Sohn seines größten Gläubigers mich zur Frau begehrte, wurde sein Antrag angenommen. Schweren Herzens entschloß ich mich, dem Wunsche nreines Vaters Folge zu leisten. Allein unser Leben war kein glückliches zu nennen. Nach dreijähriger Ehe verfiel er in eine schwere Rrankheit, von derer nicht wieder genesen sollte. Getreulich habe ich meine Pflicht als Gattin erfüllt, Tag und Nacht habe ich an seinem Lager zugebracht und ihn nach wöglichkeit gepflegt. Aber er erlag bald der tückischen Rrankheit — ich war nun Witwe.- Eines Tages saß ich in trübe Gedanken versunken da, als mein Blick auf ine Zeitungsnotiz gelenkt wurde, in der von einen! furchtbaren Eisenbahnunglück witteilung gemacht ward. Ich verfolgte die Namen der verunglückten, da wurde mein Auge durch einen Nanren gefesselt, er lautete: — Julius Wangold. Raum hatte ich den Namen gelesen, da entfiel vor Schreck das Blatt meinen Händen. Gefunden! So rief es in mir. Aber ad}, verunglückt