Israelitischer Jugendfreund
- Journal
- Israelitischer Jugendfreund
- Volume
- 3 (1897)
- Issue
- 19 (1897)
- Date
- 1897-01-01
- Page
- Seite 294 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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294 „Albert, welches Glück! Nnn werde ich Dir zur Seite stehen, und wenn ich auch aus dun Hause der lieben Pflegeeltern werde scheiden müssen, um für Deine Behaglichkeit sorgen zu können, so empfindeich jetzt das Bittere dieses Scheidens um so weniger, als ich zu einen! Bruder gehe." „Habe herzlichen Dank für Deine lieben Worte, Alma," entgegnete Hochfeld, „ich will nun zu Herrn Goldstein eilen und ihm von der Wendung meines, unseres Geschickes Mitteilung machen. Auch will ich das Schriftstück, das nach seiner Angabe das „Vermächtnis" unserer Mutter enthalten soll, in Lmpfang nehmen." Hochfeld entfernte sich, nachdem er Alnia versprochen, ihr den Inhalt jenes Schriftstückes uützuteilen, sobald er es gelesen. Herr Goldstein schien Hochfeld erwartet zu haben, denn nach einigen kurzen Begrüßungsworten begann er: „lieber freund! Ich überreiche Ihnen hier dieses Schriftstück, das sich unter den nachgelassenen Gegenständen Ihrer unglücklichen Mutter befunden hat. Sie finden es noch in demselben Zustande, in welchem ich es vor achtzehn Jahren in jener Nacht vorgefunden habe. Ls trägt, wie Sie sehen, die Aufschrift: „An meinen Sohn Albert!" und ick> zweifle jetzt nicht daran, daß Sie es find, für den das Schriftstück bestimmt ist. Nehme?! Sie aus nieinen Händen das Vermächtnis einer Unglücklichen!" Tief bewegt nahm Hochfeld das Schreiben aus der Hand des alten Mannes, den die Rührung übermannt zu haben schien und begab sich auf sein Zinuner, um ungestört die letzten an ihn gerichteten Worte seiner Mutter zu vernehnien.- XI. Kapitel. Dcrs Vermächtnis öer Mutter. Ls war gegen Abend, als Hochfeld fein Zimmer betrat. Gr zündete selbst die Lampe an und öffnete alsdann den Umschlag, dem er ein umfangreiches Schreiben entnahm, dieses zeigte deutliche Spuren von Thränen, die darauf gefallen sein mußten.- So sollte endlich der Schleier gelüftet werden, der ihm bis zur Stunde beharrlich den Blick auf ein bewegtes Menschenleben versagt hatte. — Hochfeld ließ sich auf das Sofa nieder und begann also zu lesen: „Ulein lieber Albert! Diese Zeilen, welche ich jetzt niederschreibe, wirst Du erst dann lesen, wenn ich nicht mehr unter den Lebenden weilen werde. Ich habe einen Auftrag übernommen, der mir von einer Sterbenden gegeben worden ist. Ich habe ihr gelobt, ihren letzten Wunsch zu erfüllen. Für Dich wird die Ausführung dieses mir gewordenen Auftrages von hoher Bedeutung sein. Line Ahnung aber kündet mir, daß ich nicht an das Ziel meines Strebens.