Israelitischer Jugendfreund
- Journal
- Israelitischer Jugendfreund
- Volume
- 3 (1897)
- Issue
- 19 (1897)
- Date
- 1897-01-01
- Page
- Seite 292 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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292 tir iS 4P wärtigen Falle überlasse ich Ihnen nun alles, und ich habe dem Gemeindediener aufgegeben, sich Ihnen ganz zur Verfügung zu stellen. So wäre denn diese eine Angelegenheit geordnet. Nun habe ich Ihnen noch eine Eröffnung zu machen, )m Laufe des Vormittags, kurz nach dem hinscheiden Aronheims, hat eine Vorstandssitzung zur Beratung über die zu veranstaltenden Trauerfeierlichkeiten stattgefunden; auch die schleunige Miederbesetzung der durch den Tod Aronheims erledigten Lehrerstelle wurde zur Sprache gebracht. Da ist beschlossen worden, Sk zu fragen, ob Sie geneigt wären, der Nachfolger des seligen Aronheim zu werden. Zufällig weilt seit dein heutigen Morgen bei einem Herrn vom Vorstande ein Verwandter desselben aus Ihrem gegenwärtigen Mirkungsorte, und die über Sie eingezogenen Erkundigungen sind derart, daß wir nicht anstehen, Sie zu engagieren." Bei diesen Morten war Hochfeld freudig überrascht, und er entgegnete: „Herr Vorsteher, ich danke Ihnen für Ihr gütiges Anerbieten, das mich in so hohem Maße ehrt. Ich bin bereit, es anzunehmen." Dem Sprechenden die Hand reichend, entgegnete Herr Aosenheim: „Auch ich danke Ihnen für Ihre Zusage; mögen die Beziehungen, in die wir nun zueinander treten werden, von Glück und gutem Erfolg begleitet sein!" „hoffen wir das," fügte Hochfeld hinzu und eilte hinaus. Er atmete leichter auf, denn das freudige Bewußtsein, bald für immer bei Alma weilen zu können, verscheuchte alle schweren Gedanken und beflügelte seine Schritte. Doch welch ein Anblick bot sich ihm dar, als er in Goldsteins Mohnzimmer trat! Vor einein Stuhle kniete eine weibliche Gestalt, den Aopf in beide Hände gestützt. Es war Alma. Ein leises Schluchzen drang an sein lauschendes Ghr. Die Ameende schien seine Ankunft nicht zu bemerken, -denn unausgesetzt starrten ihre Augen auf das vor ihr liegende große, alte Gebetbuch. Leise Morte flüsterten ihre Lippen; nur wenige von ihnen konnte Hochfeld hören. „Mas hatte das liebe Mädchen?" so fragte sich Hochfeld unwillkürlich. Doch müßige Frage dies! Fühlte er doch genugsam bei sich selbst, was sie so tief bewegen mußte. Da kamen die Morte, begleitet von heißen Zähren über ihre zuckenden Lippen: „O Gott, stärke und kräftige mich und laß mich nicht unterliegen in den schweren, harten herzenskämpfeu! Du hast das beglückende Licht, das ineinen Lebenspfad erleuchtet, jäh verlöscht. (D, leite Du mich in der Finsternis, die mich umgiebt, auf daß ich den rechten j)fad nicht verfehle und Verzweiflung nicht mein Anteil werde." — Hochfeld erschrak, als er diese Morte vernahm, die der Ausfluß eines entsetzlich gemarterten Herzens sein mußte, und er rief daher bittend: „Alma!"