Israelitischer Jugendfreund
- Journal
- Israelitischer Jugendfreund
- Volume
- 3 (1897)
- Issue
- 18 (1897)
- Date
- 1897-01-01
- Page
- Seite 286 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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286 bekommen haben und man wieder frei atmen darf.“ „Die Sonne scheidet,“ brummte Mutter Martha, „und wer weiss, wie bald das Scheiden auch an uns kommt. Dort müssen wir dann Rechenschaft ablegen.“ „So gut wir können,“ unterbrach sie Lukas lächelnd, stand auf und ging hinaus ins Freie. Indem er dort unter seinen Bäumen stand und mancherlei Gedanken nachging, kamen zwei Kinder auf ihn zu, ein Knabe und ein Mädchen, und flehten, in der offnen Sprache der Unschuld, um ein Nachtlager. „Woher kommt ihr, Kinder?“ fiagte Lukas. „Aus der Stadt, wo uns niemand mehr aufnehmen wollte,“ antwortete das Mädchen. „Habt ihr keine Eltern oder Verwandte?“ „Ach,“ seufzte das Mädchen, wir sind allein in der V eit. "Vor zwei Jahren starb uns die Mutter, vor einem halben Jahre wurde unser Vater hingerichtet, weil er ein Edelmann war, und ein Oheim, ein Geistlicher, der uns nachher zu sich genommen, wurde vor zwei Tagen durch die Gensdarmen über die Grenze gebracht, jetzt wollen wir eine Base aufsuchen, die zehn Stunden von hier auf dem Lande wohnt, vielleicht lebt sie aber auch nicht mehr.“ Der Knabe hatte auf die Unterredung wenig geachtet, Er sah nach dem Obst auf den Bäumen und fing zu weinen an und sagte: „Ach mich hungert.“ Lukas war im Innersten bewegt, „Kinder wie hiess euer ^ater.“ Sie nannten seinen Namen. Der Pächter nahm sie freudig bei der Hand und führte sie in die Stube. — „Hier, Mütterchen,“ rief er seiner Martha entgegen, „hier bring ich dir Gäste. Geschwinde aufgetischt, die guten Kinder sind hungrig. Martha machte grosse Augen. „Was sind das für Kinder?“ „Die unsrigen. Nun, ist es vielleicht nicht recht? War das doch ein Jammer und Wehklagen, als der liebe Gott unsern kleinen Jakob^ zu sich nahm, und jetzt, da er uns ein Pärchen dafür schickt, so „Ich glaube, der Mann redet irre,“ unterbrach ihn Martha. „Frau,“ fing Lukus an, ,,heute sollst du deinen Groll gegen mich nicht mir, aber dem lieben Gott abbitten. Ich kaufte dieses Gut, um es den hilflosen Waisen zu erhalten, denen es gehört. Gleich nach dem^