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Israelitischer Jugendfreund · 1897-01-01 · 18 (1897) · p. Seite 279

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitischer Jugendfreund
Volume
3 (1897)
Issue
18 (1897)
Date
1897-01-01
Page
Seite 279 (sequence 7)
Language
German
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A — 279 — es war ein inniges Dankgefühl, ein Gefühl der Verehrung und Liebe für soviel Edelsinn und Opfermut. Da sprach mit milder, bewegter stimme der Vater, indem er liebkosend seine Rechte über das Haar der Tochter gleiten ließ: „Sei ruhig, liebes Rind, komme, was da wolle, nichts auf der ganzen Welt wird je vermögen, irgend etwas an unserm Verhältnisse zueinander zu ändern, vor wenigen Minuten glaubte ich noch nicht, daß dir das Verhältnis zu uns sd bald bekannt werden würde." „Das Glück der Elternliebe habe ich stets im vollsten Maße genossen, in Sorglosigkeit und Freude verlebte ich eine glückliche Rindheit, und nichts in meinem Leben ließ mich vermuten, daß ich Euch eigentlich eine fremde bin. Doch die beiden Ringe, die sich so völlig gleichen, somit auch dieselbe Herkunft haben müssen, erweckten in nur eine schmerzliche, furchtbare Ahnung, umsomehr, als Ihr meinen Fragen über diesen Schmuckgegenstand beharrlich ausgewichen seid. Nun aber ist das Geheimnis enthüllt, die gute Mutter- Hat mir vor wenigen Augenblicken alles offenbart." — Sie scbluchzte laut auf, während Todesstille im Zimmer herrschte — nach einer Meile erhob sie das Röpfchen, und ihre Augen zu Goldstein erhebend, fragte sie in fieberhaftem Tone: „wo aber weilt derjenige, von dem Du soeben gesagt, er stehe mir näher, als Ihr? Lebt nur etwa noch ein Vater?" „Nein, mein liebes, gutes Rind, Du bist leider auch vaterlos. — 'Aber ein lieber, treuer Bruder lebt Dir, der Dich ganz in sein Herz geschlossen." „wie? Ein Bruder?" rief erstaunt das junge Mädchen, „o führe mich zu ihm!" „Gemach, liebes Rind; hat Dir die liebe Mutter auch berichtet, daß Dein Ring Dir von Deiner unglücklichen Mutter gleich nach Deiner Geburt umgehängt worden ist? Und dieselbe Mutter, die Dich mit jenem Gegenstände schmückte, ist auch die Mutter desjenigen, der —-hier neben mir steht." Nun vermochte Hochfeld seine Gefühle nicht mehr zu bewältigen; seine bisher mühsam niedergedrückte Erregung loderte plötzlich in hellen Flammen empor; seine Selbstbeherrschung war dahin, und mit dem Ausruf: „Alma, Schwester!" breitete er seine Arme aus, und Alma eilte mit einem lauten Aufschrei an seine Brust. — Lang und innig war diese Umarmung, deren Zeugen wehmütig beglückt die beiden Alten waren. Nunnrehr führte Hochfeld seine Schwester ihrer Mutter zu. Dann trat er zu Goldstein und sprach, dessen Hand ergreifend: „Teurer Vater, gestatten Sie mir, daß ich Sie heute auch so nenne, es ist mir Bedürfnis, Ihnen meinen heißen Dank auszusprechen für all das, was Sie an Mutter und Rind gethan haben. Möge Gott es Ihnen lohnen!"

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